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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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,, Gratuliere, mai Kutester!" ruft mir der sächsische Schlosser­meister entgegen. ,, Ungefässelt, da is nix Peeses bassiert. Da bleib'm Se vorleifig läbn. Hat mer ärscht die Hände aufm Rücken zusammengeklämmt, denn is ma och bald wäch. Igitti­gitt! Ei, wenn se mich nachher zum Dode verurteilen dun, was mache mer da? Igittigitt!"

Der Sachse, der auch in Rußland seinen sentimentalen Sing­ton behalten hat, jammert immer wieder, das gottverdammte Heimweh sei an seinem Unglück schuld. Er habe in Rußland gut verdient und nahrhaft gelebt. Aber die braunen Hunde hätten seiner Familie nicht erlaubt, ihm nachzuziehen, sie hätten seiner Frau versichert, Briefe über sein Wohlergehen habe er unter Zwang der Wahrheit zuwider geschrieben.

Schließlich hat ihn die Sehnsucht im Jahr vor dem Kriege nach Nazi- Deutschland zurückgetrieben. Hitlers Krieg gegen Moskau war für ihn ein Kapitalverbrechen, es wird ihm den Kopf kosten, denn er hat es zu laut gesagt.

Dreimal war er schon in der Bellevuestraße zum Totentanz. Aber immer brachte ihm ein Zwischenfall Aufschub. Jetzt ist er fertig und fähig zu jeder Unbegreiflichkeit. Unter der losen Hauthülle zucken die Nervenfäden in Anarchie. Und an den Zähnen, die ihm die Gestapo ausschlug, eitern schon wieder die Wurzeln, er kann nichts kauen. Ich erbe sein Frühstücksbrot, ich schlinge es wild herunter und lasse ihn reden und rum­rennen, soviel er will. Ich habe wieder Heißhunger, ich könnte beinahe selber Teppiche fressen. Aber dann werde ich auch nervös und immer nervöser, sein Rennen steckt mich an, und nun rasen wir beide unablässig fünf Schritte vorwärts und fünf zurück. Ich seufze: ,, Freisler hat es heute weniger eilig als wir." ,, Was, der Satan selbst? Heute tobt dort oben wieder der Freisler rum? Igittigitt!" Er schüttelt sich wie ein getretenes Tier und scheuert seine Schulter am Eisengitter.

Jählings stößt er mit dem Spanier zusammen, den ein ein­ziger Stoß in den Käfig geschnellt hat. Bei Gott, seine Arme sind auf dem Rücken zusammengepreßt, in die schwere eiserne Acht gefesselt. Er scheint noch schlanker und länger geworden zu sein. Den schmalen Kopf hält er weit nach hinten zurück­geworfen, der Hals wirkt unnatürlich langgestreckt, als sei er schon von einem Galgen geschnitten. Der Adamsapfel strebt aus der Körperlinie wie eine scharfe Anklage.

,, Condamné à mort , c'est ça!" Der Sachse versteht die Worte nicht und weiß doch, was sie bedeuten; seine wässerigen

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