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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
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Geratewohl. Aber auch Freisler ist nicht ganz auf dem Posten und läßt sich Zeit.

Ich sage gar nichts, ich fühle mich ganz leer und enthalte ihm das Stichwort vor, Er hilft sich mit Schimpfen,Sie ge- hören zu den niederträchtigsten Menschen unter Gottes Sonne. Aber das zieht nicht. Da kommt ihm endlich eine Erleuchtung. Sie haben den Führer einen Teppichfresser genannt! Einen Teppichfresser! Er wiegt die Silben weinerlich auf der Zunge. Es ist schlimm genug, daß man solche Schamlosigkeit über- haupt in den Mund nehmen muß. Herr Schultze-Pfaelzer , Sie galten einmal in Berlin als fähiger Journalist wie tief müssen Sie gesunken sein, daß Sie sich solch ein Dirnengewäsch zu eigen machen.

Inzwischen habe ich mich wieder gesammelt.Herr Präsident, meine Herren! Es handelt sich hier nicht um einen frivolen Scherz, sondern um eine sehr traurige Angelegenheit. Der Aus- druck ‚Teppichfresser klingt vulgär, es mag sein, daß ich dieses groteske Wort in irgendeinem saloppen Gespräch ge- braucht habe. Jedenfalls ist es ziemlich bekannt, daß Herr Hitler an manischen Erregungszuständen leidet. Diese Tatsache macht natürlich gerade überzeugten Nationalsozialisten Sorge

Halt, halt! schreit Freisler mit krallender Hand, ‚Sie Un- verschämter wollen sich womöglich noch als besorgter National- sozialist aufspielen.

Ich habe dazu leider viel zu wenig Talent. Diese Rolle spielen Millionen, die meisten aus Angst. Ich, meine Herren, habe mich hier nur zu verteidigen. Daß manische Menschen in der aufsteigenden Erregungskurve sich auf den Boden wer- fen und in Bettvorleger, Teppiche, Portieren, Tischfransen und so weiter hineinbeißen, kann Ihnen jeder Psychiater bestätigen. Daß auch Adolf Hitler zu diesen bedauernswerten Menschen gehört, hat mich, als ich es vor zehn Jahren zum erstenmal hörte, aufs tiefste erschüttert. Es war ein alter, hoher Beamter, der das Unglück hatte, seinem Führer als letzter am Abend eine unangenehme Mitteilung machen zu müssen. Damals erfuhr er nämlich mitunter noch ungünstige Dinge! Jedenfalls warf sich Herr Hitler mit manischem Ausbruch auf die Erde, rollte sich in eine Perserbrücke, strampelte mit den Beinen, biß in den Rand des Teppichs und hatte Schaum vor dem Munde, Der alte Beamte war so entsetzt, daß er hinter- her eine Woche herzkrank zu Bett lag. Später wurde mir von Eingeweihten über ähnliche Vorfälle berichtet, ich kenne

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