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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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führer SS, wolle, eine Verschwörung anzetteln, um die Ver­handlungen mit Sowjet- Rußland in die Hand zu bekommen.'

Soll man solchen Gedankenkot eines Gestapo - Kommissars überhaupt ausräumen? Nun höre ich schon wieder, ich hätte zwischen Deutschland , Rußland und Japan einen Dreimächte­pakt im Geiste der Komintern schließen wollen. Bin ich ein neuer Hitler? Ach, diese Deutschen ! Ihre politischen Finger­spitzen durchwühlen alle Müllkästen der Weltgeschichte und durchschnüffeln allen Schutt. Da höre ich den Kugelbauch murmeln, wir hätten auch noch Bessarabien an die Bolsche­wisten verkauft. Haben wir nicht vielleicht auch den Nordpol heimlich an die Eisbären ausgeliefert? Wer kann es wissen!

Plötzlich klirrt die Stimme Freislers in das träge Ge­plätscher der Dummheiten.

,, Warum wollten Sie den Führer ermorden? Angeklagter Schultze- Pfaelzer, gestehen Sie!" Es wetterleuchtet um die Wülste über seinen hohlen Backen.

,, Diese Frage kommt mir völlig überraschend, Herr Präsi­dent." So ist es, ich bin wirklich verblüfft.

,, Sie haben sicherlich mit einem Mordplan gespielt. Wie wollen Sie das leugnen?"

,, Für Morde sind ganz andere Herren sachverständig." ,, Machen Sie keine infamen Ausflüchte, Angeklagter. Sie haben zu dem Flieger Marschalski geäußert, Hitler müsse mit oder ohne Gewalt unschädlich gemacht werden!"

Ach so, um diese Ecke pfeift der Wind. Dieser Marschalski ist ein Spitzel der ,, Abwehr", ein kleiner Lump, erst wegen Diebstahls verurteilt, dann fahnenflüchtig und deshalb würdig, als Agent der Gestapo hinter den Vorhängen zu schnuppern. Es ist leider richtig, auch ich bin einmal auf den Spitzel Mar­schalski reingefallen, der seine Dienste als Kurier in Anti­Hitler- Geschäften anbot.

Warum kommt mir eigentlich nicht mein Anwalt zu Hilfe? Ich habe doch schon so manchen Ansturm Freislers selbst im Gegenstoß aufgefangen, wie man in der Bendlerstraße eine hoffnungslose Verteidigung nennt. Aber vom OKW darf ich nicht anfangen. Schließlich ist ja dort unser Plan ausgeheckt worden, mit den Russen wegen eines Sonderfriedens in Ver­bindung zu treten. Also was sage ich?

,, Ich neige nicht gerade zu Gewalttätigkeiten!" Das ist alles, was mir im Augenblick über die Lippen kommt. Diese Antwort war matt und verpufft; ich fühle es sofort und verliere mich ins

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