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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
29
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Dann hätte ihm die Vorsehung wenigstens besseres Zyankali liefern sollen! Ich bin über meine eigene Pointe verdutzt, so schnell habe ich sie abgeschossen. Aber Freisler spielt im Augenblick nicht mit. Wir haben Kampfpause.-Jedenfalls will ich die Bendix-Tragödie vollenden, bitterböse vollenden.

Nach jenem Saulgelage, klage ich in gequältem Diskant bei dem der edle Jude den Tod seiner Frau erfuhr, nahm er zur Abwechslung selber Zyankali, Aber das Gift war für ihn zu schwach; er brach nur ohnmächtig auf der Straße zusammen, Da spielte er noch einmal bessere Vorsehung, er fuhr in den Grunewald und erhängte sich.

Ich habe jetzt genug davon, sagte Freisler verdrossen. Et beginnt in den Akten zu blättern.

A, es ist eine unauslöschliche Schande! jammert er ganz unvermittelt.Ja, das ist ein schauriger Skandal. Alle Blicke hängen sich betroffen an sein trauerndes Haupt. Das will er haben, jetzt kommt's.

Eine Kleist zersetzt die Wehrkraft der Nation, ein Mit: glied der Familie Kleist treibt im Kriege Hoch- und Landes- verrat. Es ist symptomatisch nicht das gleiche, ob man: als Schultze oder als Kleist den Dolchstoß gegen die Wehrmacht führt, Die Kleist sind eine der berühmtesten Soldatenfamilien unserer Geschichte, Und der größte nationale Dramatiker, der glühende Hasser des Erzfeindes, war auch ein Kleist. Ihr eigener Vater, Ihr einziger Bruder haben im Kriege ihr Leben für Deutschland geopfert. Und Sie fallen hinterrücks die deutschen Waffen an. Wahrhaftig, eine Familientragödie! Ja der Uradel! Die Fürsten sind gelallen, der Adel gräbt sich die Gruft. Weh dem, der die nationalsozialistischen Fanfaren nicht versteht! Wehe dem verlorenen Geschlecht!"

Er schauspielert romantische Wehmut und versenkt sich in nationalen Nihilismus.

Noch eine kleine Frage, fährt er nach einer genießerischen Pause fort. Listige Aufhellung zieht über das Mienenfeld seiner gekünstelten Gesten.

Angeklagte, wie sind Sie mit dem Feldmarschall von Kleist verwandt?

lıı glaubt wohl genau zu wissen, daß der Marschall Kleist, der Panzer-Kleist, jetzt beim tollen Gefreiten wieder in Un- gnade ist. Daher kann er sich diesen Ausfall leisten.

Herr Präsident, ruft der General ruhig,wir waren über- eingekommen, militärische Dinge zurückzustellen.