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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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der Präsident,die Angeklagte hat gesagt, sie habe tapfer mit- gelogen. Welch ein Abgrund der Gesinnung tut sich auf! Sie belügt drei Stunden lang die Staatsautorität und rühmt sich dessen als einer tapferen Tat.

Meine Herren, pariert sie,wahrscheinlich haben Sie noch nie eine dreistündige Judenvernehmung mit Knüppelmusik erlebt.

Angeklagte, Sie sind schon wieder unverschämt, grollt der Präsident.Ich kann Sie abführen lassen, Sie verjudete Komtesse.

Meine Frau hat inzwischen beide Fäuste tief in die Taschen des schwarzen Kostüms vergraben. ‚Ich gehe mit Vergnügen, bekennt sie freimütig.

Auf den Mund gefallen sind Sie gerade nicht, erwidert Freisler in verblüffter Mißbilligung.Viele von Ihrer Sorte gibt's ja gottseidank nicht. Aber nun vorwärts. Wir waren bei dem Selbstmord der Lohmüller sie mogelte Zyankali ins Wasserglas, nachdem sie eine Ohnmacht vorgetäuscht hatte. Also weiter mit dem Schwindel

Verzeihung, läßt sich eine untertänige Stimme von gegen- über hören.Verzeihung, soll ich Frau Lohmüller protokollie- ren oder Frau Bendix alias Lohmüller?

Auch das noch, sagt Freisler verärgert,protokollierer Sie, was Sie wollen. Als ob es bei diesem jüdischen Ungeziefer auf die Namen ankäme. Ein Name ist da so gut wie der andere gestohlen.

Wir wollen sie doch wieder mit ihrem ehrlichen Namen nennen, meint die Angeklagte.Frau Bendix starb im Auto auf dem Transport zum Krankenhaus. Sie starb in meinen Armen. Dasselbe Auto beförderte mich sogleich zur Gestapo in die Burgstraße weiter. Dort ist die Berliner Zentrale für die Judenvertilgung. Den Ausdruck Vertilgung gebrauchten Sie selbst, Herr Präsident. Ich wurde von Mitternacht bis sechs Uhr morgens vernommen. Vier Sturmführer stürmten gegen mich an, Untersturmführer und Obersturmführer und als auch diese Stürme vorüber waren, wurde ich ins Gefängnis in der Lehrter Straße gebracht. Es war am 13. Februar vorigen Jahres'

Sie haben damals dreist geleugnet, greift Freisler ein. Und Ihr Ehemann hat den Betrug noch frecher unterstützt. Oder wagen Sie das zu leugnen, Angeklagter?

Warum sollte ich das heute leugnen, Herr Präsident? Ich habe damals bei der Gestapo zu Protokoll gegeben, wir hätten

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