besaßen. Dieser famose Jude Bendix hatte die Stirn, den Beamten eine falsche Legitimation auf den Namen Architekt Robert Lohmüller vorzulegen, und Sie, Herr Schultze- Pfaelzer und Ihre Frau, Sie verbürgten sich dafür, daß Ihre beiden Gäste das Ehepaar Lohmüller seien. Der angebliche Lohmüller verduftete bald, und am Abend, in der Dunkelheit, wurde Ihre Frau dabei betroffen, wie sie der sogenannten Frau Lohmüller half, einen schweren Koffer auf die Bahn zu schleppen. Man schritt zur Festnahme und brachte die beiden Nachtwandlerinnen zum Polizeirevier! Ha, ha, ha!" Er schlägt eine Höllenlache an, von der niedrigen Decke antwortet das infernalische
Echo.
Ich starre auf das verbogene und verlogene schwarze Kreuz im Dienste des Teufels, das zu Freislers Häupten hängt. Mich bannt der verruchte Pfaffe im höllenroten Talar.
Der Oberreichsanwalt ist inzwischen wieder kribblig geworden. Ich lese in seinen zuckenden Brauen: Was geht das Volksgericht diese läppische alte Judengeschichte an! Wir müssen mit den drei Todeskandidaten endlich weiterkommen. Der Erste Senat hat heute noch allerlei Fahrscheine in den Orkus zu vergeben.
Jetzt streift der Herr Oberreichsanwalt das Blutgewand zurück und zieht eine ganz gewöhnliche Taschenuhr. Ach, die Zeit verfliegt, und die Verhandlung kommt nicht vom Fleck. Vielleicht will er an diesem lockenden Julitag im dämmernden Abend mit der schönen Frau des Admirals auf einem Potsdamer Havelsee Paddelboot fahren! Merkwürdig, diese Frage beschäftigt mich im Augenblick mehr als die Sorge um Kopf und Kragen.
Endlich rafft er sich auf, der große Ankläger, und mustert meine unerschrockene Frau, die zwei Finger in die Taschen ihrer schwarzen Kostümjacke gesteckt hat. ,, Frau Schultze- Pfaelzer, wie ging denn nun die Sache mit der Familie Lohmüller zu Ende?" Unter dem ärgerlichen Blick des Präsidenten verbessert er sich mit Geräusper: ,, Der angeblichen Familie Lohmüller!"
Das Kopfschütteln meiner Frau ist mit tragischer Erinnerung belastet. Ja, Frau Lohmüller hat sich damals in meiner Gegenwart auf dem Frohnauer Polizeibüro vergiftet. Drei Stunden lang habe ich tapfer mitgelogen, um sie zu retten. Aber dann hatten die Beamten doch heraus, wer Frau Lohmüller sei. Daraufhin-"
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,, Haben Sie gehört, ich bitte das festzuhalten", unterbricht


