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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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General. Die Goldstickerei seines Kragens nimmt sich neben dem roten Pomp der Juristen beinahe ärmlich aus. Sein ge­stähltes Durchschnittsgesicht versucht sich mit unfrohem Ernst in der bösen Schleimigkeit dieses Parteitribunals zurechtzu­finden. Wahrscheinlich sehnt er sich nach dem Gefechtsstand einer Division, er versteht sich besser auf die höhere Mechanik des Massensterbens. Nur ungern hatte er des Königs Rock mit dem Rock des Gefreiten vertauscht. Natürlich hat er auch mal an den Welttriumph der deutschen Kaserne geglaubt, aber das war einmal. Vermutlich glaubt er augenblicklich an fast gar nichts, möchte aber wohl noch die Reste von persönlichem Stolz in diesem verdammten braunen Saustall zur Geltung bringen. Am liebsten würde er durch ein Gewitter die ekelhafte Situation platzen lassen, aber er kann nicht über seinen Schatten springen, er ist immerhin ein General und muß wie ein Denkmal aus­sehen. Warum hat man ihn in eine Gespensterschlacht hinein­kommandiert?

Also das war meine gerichtliche Voruntersuchung, Ihr Herren vom Volksgericht. Wenn sie Ihnen mißfällt, so tut mir das nicht leid. Sie werden ja auch meine lebende Leiche sezieren. Bitte, Herr Präsident, es kann losgehen, schlagen Sie das Aktenstück auf.

Freisler reckt sich, krümmt sich, reckt sich wieder, seine erhobene flache Hand beschreibt eine langsame, elegant ge­wölbte Kurve. Die vielen andern Arme, die in die Höhe fliegen, haben den Bogen längst nicht so heraus.

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,, Da haben wir also zunächst diese Sache Schultze- Pfaelzer und Genossen, diesen phantastischen Fall" Freisler hat nachlässig angefangen und sich schnell gesteigert; jetzt fixiert er mich mit kalter Herausforderung.

,, Bleiben Sie stehen und lassen Sie sich doch einmal näher betrachten, mein Herr! Das sind Sie also. Der zerrüttete Intellektuelle durch und durch. Genau so habe ich Sie mir vorgestellt. Und die Frau Gemahlin, die unternehmende, hoch­geborene Dame, hat sich gleich mit ins Verderben gestürzt. Und der Dritte im Bunde, das ist er wohl, wenn ich mich nicht irre, der adlige Herr aus dem Baltenland, Globetrotter zwischen Paris , Berlin und Moskau . Also ein west- östlicher Divan! In Moskau haben sich die beiden Herren kennengelernt, das allein spricht Bände. Eine salonbolschewistische Affäre größe­ren Stils. Da werden wir noch allerhand Pikantes zu hören bekommen. Die Herrschaften wollen gewissermaßen im Namen

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