Druckschrift 
Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

Strafgericht des deutschen Volkes verantworten solle.Cour supreme de peuple? Mais non, cour supr&me des Nazi!

Da klirrt die Eisentür, man kommt mich holen, mein Termin ist aufgerufen. Auf in den Kampf, Torero! Wir schreiten zu dreien hintereinander in der Reihenfolge der Anklage, ich als Hauptattentäter voran, dann meine Frau, zuletzt Klaus v. S. Gestapo -Mannen halten die Spitze und das Ende des Zuges. Wir marschieren über einen langen Gartenhof, hell glänzen die Aluminiumfesseln im Sonnenlicht. Die Rosen blühen, ein paar Nelken duften betäubend in den warmen winddurchhauch- ten Tag.

Vor dem Eingang zum Sitzungszimmer stehen in vorgeschrie- bener Entfernung einige wohlbekannte Gestalten, darunter mein Bruder, der parteigebundene Antifaschist und meine treue Sekre- tärin, auch ein paar Bekannte aus unserm Frohnauer Garten- vorort sind da. Ich winke ihnen allen freundlich mit den nied- lichen Armbändern zu; meine alte Mitarbeiterin scheint ein bißchen zu erschrecken, sie hat wohl noch nie einen Menschen gefesselt gesehen, sie war ja immer eine ordentliche Bürgerin.

Ich fürchte, die teilnehmenden Trauergäste werden enttäuscht sein, sie können nicht einmal hier uns die letzte Ehre erweisen das Begräbnis findet ohnehin im Finstern statt. Unser Fall trägt längst das rote SignumGeheime Reichssache, da wird auch bei der Verhandlung die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Wir treten ein: Der Sitzungsraum des Ersten Senats istauch nur noch Notquartier dieser durchbombten Diktatur. Das riesige rote Tuch mit dem schwarzen Hakengekritzel knallt durch die fensterarme, kahle Stube. Die dunkelbraune Büste des Herrn Hitler mit der Schlawinertolle strömt billige Dämonie. Sie steht da als groteskes Götzenbild, vor dem die Menschen beten, die bösen Willens sind.

Mein Anwalt begrüßt mich mit hüstelnder Spannung. kreisler will persönlich gegen Sie auftreten, sagt er nervös- vertraulich, ‚Kennen Sie Freislers Art? Nun, Freisler liebt die dramatischen Effekte, Sie dürfen sich dadurch nicht ver- blüffen lassen. Herr Freisler pflegt den Vorsitz nur noch dann zu übernehmen, wenn ihm die sensationelle Ausbeute des Falles groß genug erscheint. Sie brauchen einen stürmischen Verlauf nicht ohne weiteres als ungünstig anzusehen. Manchmal ist Freisler unter uns gesagt sogar zur Milde geneigt, wenn er mit sich selber sehr zufrieden war.

Ja, dieser Freisler! Ein Abenteurer im flotten Mäntelchen

15