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Kampf um den Kopf : meine Erlebnisse als Gefangener des Volksgerichtshofes 1943 - 1945 / Gerhard Schultze-Pfaelzer
Entstehung
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und Marie Schultze-Pfaelzer. Das ist nun die berühmte histo- rische Antithese im Lauf der Dinge..

Wenn Herbert Blank nicht inzwischen im Verlies verendet ist, so lebt er noch heute im Zuchthaus. Und wenn das Schicksal doch die Synthesis liebt, so müßte es eigentlich uns beide noch einmal in Freiheit zusammenführen. Hoffentlich beugt sich der liebe Gott auch einmal unter den Willen der Geschichtsphilosophen.

Zurück in den Augenblick. Der Volksgerichtshof residiert jetzt im Hinterhaus, ihm blieben die tiefen Keller und die blutigen Theaterrequisiten, auch die flinken Schreibmaschinen, auf denen manikürte Mädchen die Todesurteile tippen, immer fein und adrett, ohne Fehler und ohne Geruch.

Sie stoßen uns in die feuchte Vorhölle eines Kellerlabyrinthes. In dem dunklen Gange kann ich Klaus v. S. erwischen.Du, weißt du schon, fiebert er mir zu,mein Anwalt sagt, unsere Sache steht oberfaul. In vier Wochen hauen wir durch den Schornstein ab in den Himmel.

Mich stecken sie mit zwei Männern aus Plötzensee in einen muffig-feuchten Raum zusammen, mit einem sächsischen Schlossermeister, der in Rußland auf Montage war, und einem spanischen Offizier, der gegen den Faschisten Franco kämpfte und in Südfrankreich von der Gestapo verhaftet. wurde.

Der Spanier, der außer einigen Kraftausdrücken kein Wort Deutsch versteht, ist tres heureux, mit mir französisch zu sprechen. Man hat ihm noch nie einen Dolmetscher, geschweige denn einen Rechtsanwalt geschickt. Er weiß überhaupt nicht, wo er sich befindet, hat keine Ahnung, daß er sich heute vor dem Volksgerichtshof auf Tod und Leben verteidigen muß. Ich lese mühsam in seiner deutschen Anklageschrift, die sinnlos in seinem Kittel steckt, es sind acht eng beschriebene Schreib- maschinenseiten. Der Oberreichsanwalt hat also fleißig an dem Fall diktiert, doch es scherte ihn nicht, ob dieser Mensch über- haupt sein Verhängnis erfährt. Jawohl, so werden in diesem Deutschland Diktate gemacht.

Er ist wegen Landesverrats und Feindbegünstigung ange- klagt, ich übersetze frei:trahison par travail pour lennemi. Aber das will er nicht gelten lassen. Pour lennemi, pourquoi? Er hat mit einigen Kameraden und demokratischen Gesin- nungsgenossen, die gleich ihm in Frankreich interniert waren, nach Algier in die Reichweite der Weltdemokratie fliehen wollen. Er begreift nicht, warum er sich deswegen vor dem höchsten

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ne nee.