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Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
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Gefangene muẞte seine wenigen ,, Brocken", die er besaß, im Bett unterbringen, selbst seine Eẞschüssel. Ein infernalischer Gestank herrschte im Raum, der selbst uns, die wir daran gewöhnt waren, den Atem stocken ließ. Es wimmelte von Ungeziefer, von Flöhen und Läu­sen. Wenn ich sage, daß die Flöhe massenweise auf dem Fußboden herumhüpften, so bitte ich das wörtlich zu nehmen, selbst wenn du dir, lieber Leser, keine Vorstellung davon machen kannst. Aber wärest du mit mir in einen solchen Block gegangen und hättest auf den Fuß­boden geschaut, dann hättest du sie fröhlich hüpfen sehen können.

Verdreckt, verlaust und ungewaschen, unrasiert, stinkend vor Kot, von eiternden Wunden geplagt, so lebten die Menschen im ,, Kleinen Lager". Phlegmone und Wassersucht waren die häufigsten Krank­heiten. Phlegmone, das heißt: eiternde Wunden, so groß wie eine Hand, mit Löchern, in die man bequem eine Faust stecken konnte. Wasser­sucht, das heißt: geschwollene Füße, so dick wie Oberschenkel. Die Insassen des ,, Kleinen Lagers" unterschieden sich wesentlich von den anderen, die das Glück hatten, in relativ besseren Wohnverhältnissen zu leben. Als Kleidung dienten jenen nur Lumpen, die sie Tag und Nacht auf dem Leib hatten, denn auch des Nachts entledigten sie sich ihrer Kleidung nicht. Es gab für sie ja keine Decken, und die Nächte waren kalt. So wurden Menschen, die im zivilen Leben vielleicht eine achtbare Stellung innegehabt hatten, binnen kurzem zu ,, Tonnen­adlern" ,,, Muselmännern" und ,, Kretinern", die sich aus Kehricht­haufen und Abfalltonnen das noch ,, Brauchbare" herausklaubten, die Kartoffelschalen und verfaulte Steckrüben aßen. Die den Futterwagen. des Schweinestalles überfielen und sich eine Mütze voll Schweinefutter klauten, um es an Ort und Stelle gierig zu verschlingen. Völlig abge­stumpft, in tierischer Gleichgültigkeit, ließen sie sich treten und prü­geln. Einem ,, Tonnenadler" konnte man in die Fresse hauen oder in den Arsch treten, ohne daß er mit einer Regung darauf reagiert hätte. Höchstens, daß er einmal weinte wie ein Kind. Wurde er angebrüllt: ,, Hau ab, du verfluchter Speckjäger!" dann trottete er stumpfsinnig fort. Bekam er noch einen kräftigen Tritt in den Hintern mit auf den Weg, drehte er sich nicht um, lief auch nicht schneller, sondern torkelte nur vom Fuẞtritt aus seinem Gleichgewicht gebracht- einige Schrit­te, um dann wieder in seinen stupiden Trott zu verfallen. Am Zaun des ,, Kleinen Lagers" standen sie den ganzen Tag über, eingefangenen Tieren ähnlich, und stierten geistlos auf die Vorübergehenden. Bettel­ten um eine Kippe. Sie empfingen keine Briefe und durften keine

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