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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
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Ein jeder von uns erlebte wohl in dieser Stunde in der Erinnerung noch ein­mal das Furchtbare und Grausame der Vergangenheit. Als dann die Lager­kapelle das weltbekannte Freiheitslied der unterdrückten Massen intonierte: ,, Brüder, zur Sonne, zur Freiheit...!" sah ich bei manchem alten, durch Not und Tod gegangenen und von unsäglichem Leid hart gewordenen Kon­zentrationär Tränen in den Augen.

Tränen der Freude.

Tränen der Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber, das ihn diesen Tag erleben lieẞ.

Ohne Aufforderung, wie auf Kommando, entblößten sich die Häupter, und inbrünstig wie ein Schwur löste sich in den Sprachen aller Nationen das Lied von den Lippen und brauste zum Himmel empor:

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder, zum Lichte empor, Hell aus dem dunklen Vergangenen Leuchtet die Zukunft hervor.

Seht, wie der Zug von Millionen Endlos aus Nächtigem quillt, Bis Eurer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt.

Brüder, in eins nun die Hände, Brüder, das Sterben verlacht, Ewig der Sklaverei ein Ende, Heilig die allerletzte Schlacht.

Was sich in diesem heiligen Augenblick hier in Buchenwald vollzog, kann nur der empfinden, der diese würdigen Minuten miterlebt hat. Hier standen Vertreter aller Nationen Europas . Menschen, die durch Nacht und Grauen gegangen, der Knechtschaft, der furchtbarsten Sklaverei und dem Ver­nichtungstod entronnen waren, erlebten nun den Tag der Freiheit. Daß sie Not und Tod bis zur letzten Minute trotzen konnten, verdankten sie der großen Solidarität, die uns alle wie ein stählernes Band umschloß und einte. Dieser Tag war ein klares, reines Symbol der Völkergemeinschaft. Jeder von uns fühlte aufgeschlossenen Herzens den Anbruch einer Verständigung und den Beginn eines wirklichen Weltfriedens.

Die antifaschistischen Kameraden aus allen Ländern, die dereinst in ihrer Heimat die Politik ihres Landes leiten oder zumindest beeinflussen, werden diesen feierlichen Akt in Buchenwald niemals vergessen.

Wir Antifaschisten sind uns gewiß, daß dieses Band der Solidarität mit Blut und Tränen für alle Zeiten so fest geschweißt wurde, daß es keiner ver­brecherischen faschistischen, imperialistischen und reaktionären Clique in der Welt jemals wieder gelingen wird, den Mord unter die Völker zu tragen. Das haben wir 21 000 befreite Häftlinge an diesem 1. Mai geschworen.

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