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wenig Lebkuchen, eine Handvoll Nüsse und etwas Traubenzucker. Ein fürstliches Geschenk! In diesem Augenblick kam ich mir vor wie der reichste Mann der Welt. Und mein Glück, meine Freude spiegelte sich in den Augen meines Kameraden wider. Für ihn war es tatsächlich ein Opfer, denn er bekam auch nicht mehr als ich, war also genau so ausgehungert. Wir kannten uns von einem anderen Lager her und waren dort schon gute Kameraden. Er war Bibelforscher, einer von denen, die ihre Anschauung, auf die Wahrheiten der Bibel gestützt, in Worten und Taten verkörpern. Einer von denen, die um ihrer Anschauung willen ihr Leben lassen. Alles Unrecht, das zuerst in seinem eigenen Lande, dann in ganz Europa durch den Nationalsozialismus millionenfach an den Menschen verübt wurde, hatte er nicht stillschweigend mit ansehen können Sein Gerechtigkeitsempfinden lehnte sich dagegen auf. Er brandmarkte die Sünde und die, die sie verübten, mit Worten klarster Vernunft. Da ihm deshalb strafrechtlich nichts angetan werden konnte, steckte man ihn ins Konzentrationslager, weil er Bibelforscher war Denn auch Bibelforscher sein war verboten.
Ich habe mit jenem Menschen an diesem Abend einen längeren Gedankenaustausch gepflegt und daraus manches Wertvolle gelernt. Auch später habe ich noch andere Kameraden seiner Art kennengelernt und mit ihnen manche kostbare, mit tiefschürfenden Gesprächen ausgefüllte Stunde verleben dürfen. Einige unter ihnen wurden mir wirkliche Freunde, und ich würde mich freuen, wenigstens den einen oder anderen im Leben noch einmal wiederzusehen.
Hierbei muß ich besonders an einen von ihnen, den Kameraden René S. aus Straßburg denken, der in rührender Hilfsbereitschaft und durchdrungen von dem Gebot der Nächstenliebe seinen Leidensgenossen, ganz gleich welcher Gesinnung, die Liebesgaben, die ihm seine gute Frau laufend sandte, selbstlos verteilte. Auch dieser gute Kerl durfte sein liebes Straßburg nicht wiedersehen. In Buchenwald , wohin er später transportiert wurde, mußte er wegen Überfüllung des Lagers zusammen mit uns anderen im Notzelt kampieren, wo auf zwei Mann nur eine Decke kam. Die bittere Kälte und der Mangel an warmer Kleidung ließen ihn und viele andere umkommen.
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Eines Tages, kurz nach dem mißglückten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 und der darauffolgenden sogenannten„, August- Aktion", die noch den letzten Rest irgendwie marxistisch- verdächtiger Personen ins Konzentrationslager sperrte, traf uns die erschütternde Nachricht vom Meuchelmord an Ernst Thälmann .
Wir waren gerade in eine Unterhaltung vertieft, als einer unserer Kameraden mit einem Zeitungsblatt zu uns trat, worin in einer Nebenspalte,
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