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"Häftling ... X ... in der Hölle auf Erden!" / Udo Dietmar
Entstehung
Seite
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Ich höre noch heute das Brummen der Gefangenenwagen den Berg herauf, die ununterbrochen Menschen nach Natzweiler brachten, männlichen wie weiblichen Geschlechts. Menschen, die für die Freiheit lebten, für sie wirkten und jetzt dem Tod durch den Nationalsozialismus ausgeliefert waren. Ihnen wurde erst gar nicht mehr die Uniform ausgehändigt, sie wurden nicht durch den sonst üblichen langwierigen Prozeß in die Reihe der Konzentrationäre eingegliedert. Sie wurden einfach in ihrer Zivilkleidung hingerichtet.

Ich sehe noch heute im Geiste die glühende Esse des Krematoriums Natz­weiler , wo man diese Opfer Tag und Nacht verbrannte. Noch heute steckt mir der penetrante Geruch verbrannten Fleisches, der Tag und Nacht das Lager überzog, in der Nase.

Ich sehe noch heute die Gruppen zu je acht vom Arrestblock ins Krema­torium wandern, wo sie aufgehängt wurden.

Ich sehe heute noch den Blick eines sechzehnjährigen elsässischen Mädchens verzweifelt nach Hilfe suchen, als sie mit ihren Kameraden und Kame­radinnen zum Krematorium ging.

Ich sehe heute noch die entsetzten Augen meiner russischen Leidensgenossen, die mit mir versteckt oben an unserem Block standen und dieses Bild auf­nehmen mußten.

Wir, denen der Tod im Nacken saß, die wir diesen Anblick gewohnt waren, die wir den Tod hunderte Male an uns vorbeigehen sahen, waren außer uns, daß man Mädchen, die fast noch Kinder waren, so hinmordete.

Welcher Mensch, der nur ein klein wenig des Herzens Regung in sich spürt, kann dieses verstehen?

Wer kann, ohne vom Grauen gepackt zu werden, dieser Szenen gedenken? Wir, die dem Tode Geweihten, mußten in ohnmächtiger Wut dieser Barbarei zusehen. Und diese Mörder gaben vor, eine Kultur verteidigen zu wollen!.

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jetzt ab Herzen

Die Front rückt näher.

Über dem Teufelsberg brausen Tiefflieger der alliierten Mächte.

Die noch überlebenden Häftlinge sind nach Dachau verfrachtet worden. Das Lager ist aufgelöst.

Man hat es gesprengt, um die Spuren der Bestialitäten zu vernichten. Das Gebiet ist befreit.

Der Elsässer ist wieder frei!

-

Der Berg steht wieder einsam da. voll. Schatten reiht sich an Schatten Es sind die unschuldigen Opfernationalsozialistischen Mördertums, die beschwörend ihre Hände gen Himmel strecken, die anklagen, was an ihnen geschehen, die an

- Um seinen Gipfel rauscht es geheimnis­

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