wiedersahen, kann kein Mensch ermessen, und in diesem Moment gelobten wir uns: Weg vom Stutthof , sobald wie möglich und ganz gleich wohin.
Eines Tages wurden wir alle aus Baracke 18a in einer anderen Baracke untergebracht. Dort schliefen wir auf der Erde, auf- einander, der ganze Barackenflur war voller Menschen, und sogar im Wasch- und Toilettenraum hatten sich einige hin- gelegt. Am Abend wurde in vielen Baracken aussortiert. Neben uns war eine leere Baracke, in der die weinenden Menschen untergebracht wurden, und am Morgen in aller Frühe wurde der traurige Zug fortgebracht. Durch unsere neue Blockälteste, eine Russin, gelang es uns, ein 12jähriges Mädel, das mit ausgesucht worden war, vor dem sicheren Tode zu retten. Sie ist bis zur Befreiung bei uns gewesen.
Im Lager waren fast alle Baracken verlaust, denn für uns Juden war ja alles gut genug. In jeder freien Minute sahen wir unsere Sachen nach, nahmen jede Gelegenheit wahr, um uns waschen zu können, wenn auch nur unter Schlägen. Oft sogar wachten wir die Nächte, um in den Duschraum zu ver- schwinden und uns zu säubern. Es ist uns Gott sei Dank ge- lungen, während der ganzen Zeit im Lager frei von Ungezieier und ansteckenden Krankheiten zu bleiben.
Wieder wurde in der Schreibstube eine Nacht durchgearbeitet. Arbeitskommandos wurden zusammengestellt. Wir 36 Frauen aus der Schreibstube schrieben unsere Nummern mit in die Listen und wurden am anderen Morgen um 4 Uhr mit abge- rufen für ein Arbeitslager von 1700 Frauen. Dann wurde uns gesagt, daß wir noch zum Duschen in den großen allgemeinen Baderaum gehen müßten. Dort wurde uns alles abgenommen, sogar die Kopftücher und die Schuhe, soweit sie noch gut erhalten waren. Nackt mußten wir uns anstellen und bekamen statt unserer wenigstens guten, sauberen Zebrakleidung ge- waschene Lumpen, einen Schlüpfer, ein Hemd und einen grauen Sträflingskittel, ganz gleich, ob es passend war oder nicht, ein Paar Holzschuhe, einen Lumpen zum Abtrocknen und einen als Kopftuch. Strümpfe gab es nicht. So hatten wir gar nichts mehr, nicht einmal eine Nadel und ein Stückchen Garn, um einen Riß zuzunähen.— Unter Schimpfen und Püffen
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