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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
Entstehung
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Seidene Oberhemden für sich, seidene Wäsche, Hüfthalter und Büstenhalter für die Frau. Kleider für die Frau wurden in unseren Werkstätten massenhaft hergestellt oder verändert. Alles aus den beschlagnahmten Koffern der deutschen und lettischen Juden. Ebenso nahm er Uhren, Schmucksachen, Füllfederhalter und Sonstiges mit nach Hause. Dieser Unter­offizier, der doch nur ein kleiner Friseur in seiner Heimat ge­wesen war, bekam genau so den Größenwahn wie der Kom­mandant des Gettos, Karl Wilhelm Krause . Größenwahn ist eine typisch nationalsozialistische Krankheit, deren Haupt­bazillenträger Hitler und sein Adlatus Goebbels waren. Ebenso existierten für alle Naziführer von Judenlagern keine Nürnberger Gesetze , alle suchten sich die hübschesten Jüdinnen aus.

Jeden Sonnabend nach Rückkehr der Arbeitskommandos ins Lager fand eine Häftlingszählung statt. Wehe, wenn einer entflohen war. Dann gab es drakonische Strafen, meistens Schmälerung der an und für sich schon kargen Lebensmittel­ration und Verschickung von Geiseln in den Kaiserwald. Ein schreckliches Wort in unseren Ohren war auch die Ver­schickung nach sogenannten Stützpunktkommandos. Wir hiel­ten diese Kommandos für Himmelfahrtskommandos, weil nie einer von dort zurückkam.

,, Sonntag wird frei sein, es findet keine Zählung statt!" So hieß es an einem Sonnabendabend. Einen freien Sonntag! Wir waren glücklich, bis 7 Uhr schlafen zu können, war doch an jedem Morgen schon um 4 Uhr Wecken, um 5 Uhr Antreten zum Kommando.

Am nächsten Morgen wurden wir um 6 Uhr geweckt. Alles wurde von der Polizei herausgetrieben. Die Nachdenklichen sagten ,, Verschickung", zogen sich noch an und nahmen das Nötigste mit. Die Sorglosen sagten ,, nur Zählung" und häng­ten sich nur den Mantel um. Zu den ersteren gehörte auch ich, ich hatte mir schon lange vorher eine große Umhänge­tasche aus Zeltbahnstoff gemacht, in dieser nahm ich meine Habe mit. Als wir draußen SS sahen, wußten wir genug. In­zwischen wurden die Männernamen verlesen. Die Aufgerufe­nen mußten sich gesondert aufstellen. Nach den Männern

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