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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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die der Feldgendarmerie. Ein Oberwachtmeister aus West­falen sprach mich an und fragte, ob ich nicht auch aus West­falen sei. Im Laufe des Gesprächs sagte er mir: ,, Wie auch der Krieg ausgehen mag, ich kann nicht mehr leben. Wenn wir den Krieg verlieren, kann ich nicht mehr nach Deutschland zurück, da wir auf Befehl der SS, in die man uns übernommen hat, als Exekutionstruppe im besetzten Ausland tätig waren und jeder uns dann dort mit Recht Mörder schimpfen würde. Gewinnen wir den Krieg, so werde ich die Todesschreie der etwa 65000 gemordeten Menschen aus dem Warschauer Getto nicht mehr los. Allnächtlich höre ich das Wimmern lebendig Verbrannter, sehe ich die verzerrten Gesichter der Erschla­genen, die durch Handgranaten zerfetzten Leiber von Män­nern, Frauen und Kindern. Ich kann nicht mehr leben." Am nächsten Morgen fanden wir ihn erhängt am Fensterkreuz eines leeren Raumes.

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Himmelfahrtskommandos

Anfang April 1942, Eis und Schnee waren noch nicht ge­schmolzen, wurde vom Kommandanten ein besonderes Kom­mando von etwa 40 jungen, kräftigen Männern verlangt. Dieses Kommando nannte sich Krause I. Mit einer Decke ausgerüstet und Verpflegung, die wir für einen Tag empfingen, zogen diese Männer, meistens Jungverheiratete, hinaus. Vergebens warteten die Frauen Tag um Tag auf die Männer, sie blieben verschollen. Endlich, nach etwa vier Monaten, wurden einige fast sterbend ins Lager zurückgebracht. Diese Männer waren zu Skeletten abgemagert, die Körper mit widerlich stinkenden, eiternden Wunden bedeckt, bei den meisten der Geist verwirrt. Sie hatten schreckliche Arbeit an Leichen, wahrscheinlich aus verschollenen Transporten, machen müssen. Schlecht ernährt, täglich mißhandelt, schlie­fen sie nachts in den feuchten Kellergelassen der Gestapo im Zentralgefängnis in Riga auf nacktem Steinboden, zu 40 Mann in einer Zelle, die vielleicht zur Not für zehn Men­schen ausgereicht hätte. Diese Zelle war erfüllt von besti­alischem Gestank der Kotkübel und der eiternden Wunden

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