Druckschrift 
Zeugen der Wahrheit, Kämpfer des Rechts gegen den Nationalsozialismus / vom Domkapitular Joh. Neuhäusler, München
Entstehung
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Tausende von Jugendlichen, die ver­spottet, geschlagen, eingesperrt, von Schul­geldbefreiung und Lehrplätzen ausgeschlos­sen, nur dadurch von ihrem katholischen Jugendverein zu trennen waren, daß man diesen gewaltsam auflöste, freilich ohne daß man sie dadurch zu HJ oder BDM bringen konnte;

Berufsschul- Religionslehrer in Bayern , denen Staatsminister Wagner im Jahre 1938/39 den Religionsunterricht in den einzelnen Klassen von einer Stunde auf eine halbe Stunde verkürzte, aber mit der Auflage, auch weiterhin das volle Stundenmaß von wöchentlich 24-28 Stunden Unterricht zu er­teilen, die dann wider sein Erwarten das Übermenschliche leisteten und in 48 bzw. 56 Klassen je eine halbe Stunde unterrichteten, bis Wagner in seinem Religionshaẞ zum letzten griff, zur vollen Aufhebung des Reli­gionsunterrichtes in den Berufsschulen.

Katholische Eltern vieler Hunderte von Dörfern, die sich empörten und zur Selbsthilfe griffen, als der gleiche Staatsmini­ster Wagner am 23. Juli 1941 verfügte:... ,, Ich ordne an, daß der Unterricht an Stelle eines Gebetes mit einem geeigneten Tages- oder Wochenspruch aus dem nationalsozialistischen Gedankengut oder einem Lied der Hitler­Jugend begonnen und beendet werde. Gleich­zeitig weise ich darauf hin, daß kirch­licher Bilderschmuck, auch wenn er künstlerischen Wert besitzen sollte, sowie Kruzifixe in der Schule am falschen Platze sind; ich ersuche Sorge dafür zu tra­gen, daß solcher Wandschmuck allmählich entfernt oder durch zeitgemäße Bilder ersetzt wird. Eine geeignete Gelegenheit hierzu er­gibt sich beispielsweise bei Erneuerungsarbei­ten in den Klaẞzimmern und Anstaltsgebäu­den oder im Zuge räumlicher Änderungen."

,, Bekenner" aller Stände und Klassen, die von der Gestapo Vorladung um Vorla­dung, Verwarnung um Verwarnung erhielten eine Münchener Lehrerin allein 29! oder geschäftlich boykottiert wurden und doch ihr Knie nicht vor Belial beugten.

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Katholische Verlagsinhaber und Buchhändler, die trotz, aller Beschlag­nahmen ihrer Bücher den Charakter ihres Geschäftes nicht änderten; 12 katholische Buchdruckereien, die wegen Druk­kes des päpstlichen Rundschreibens ,, Mit brennender Sorge" vollständig enteignet wur­den( z. B. in München Dr. Valentin Mayer). Katholische Rechtsanwälte( z. B. Dr. Josef Warmuth, Dr. Fritz Schäffer), die vieldutzendmal furchtlos an der Seite katho­

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von

lischer Geistlicher vor Gericht aller Art und Orte traten und dort Unrecht klipp und klar ,, Unrecht " nannten, mochte es auch Staat oder Gestapo oder Partei kommen, ebenso in zähester Weise Klöster ge­gen nationalsozialistische existenzgefährdende Steuerzugriffe, Beschlagnahmen und Enteig­nungen zu schützen suchten.

Schwestern der verschieden- sten Orden, die allen Lockungen und Er­pressungen zum Trotz nicht das Ordenskleid auszogen und, aus den Schulen verwiesen, in Krankenhäusern, kirchlichen Steuerämtern,

vereinzelt selbst in Fabriken arbeiteten, ja gegebenenfalls sogar in männlichem Mute den machtstrotzenden und machtprotzenden Nazi­häuptern laut ins Gewissen redeten, wie z. B. die Generalassistentin der Barmherzigen Schwestern zu Salzburg , die in einem Brief an den Gauleiter energische Vorstellungen gegen die Tötung der Schwachsinnigen erhob und dabei u. a. schrieb: ,, Müssen Sie nicht auch fürchten, daß die Seelen dieser Armen denn sie haben eine unsterbliche Seele Sie vor dem Richterstuhl Gottes anklagen werden, vor dem wir alle erscheinen müssen, ob wir es glauben oder nicht?"

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Solche Leute mögen ruhig verfolgt, gehetzt, eingesperrt und ,, liquidiert" werden, sie spre­chen mit dem hl. Paulus: ,, Man verfolgt uns; wir nehmen es mit Geduld an"( I. Kor. 4, 12); sie sprechen mit Tertullian, der vor 1700 Jah­ren verfolgt wurde: Wir siegen, wenn wir niedergemacht werden." Und was andere eine ,, Hölle" nennen, das vermögen sie einen ,, G.esegneten Abgrund" zu heißen, wie dies die Sekretärin von P. Friedrich Mucker­mann, Nanda Herbermann , im Titel ihres Buches über ihre fürchterlichen Erleb­nisse und Leiden im Frauenkonzentrations­lager Ravensbrück zum Ausdruck gebracht hat( Verlag Glock& Lutz, Nürnberg ).

Solche Verfolgte haben das Recht, uns Parolen zu geben für die neue Notzeit, für die Liquidierung des traurigen Erbes, das uns der Nationalsozialismus hinterlassen hat. Und diese lauten:

,, Einstehen für seine Überzeu­

gung!"

,, Zusammenstehen in der Not!" ,, Zusammengehen in der Verfol­gung des einen Zieles: Wieder­aufbau und Wiederbefriedung!"

Und als Grundlage von beidem: Wiederverchristlichung!

,, Alles zusammenfassen in Christus als dem Haupte!"( Eph. 1, 10)

Mit kirchl. Druckerlaubnis vom 19. 2. 47.- Veröffentlicht unter der Zulassung Nr. 6 der Nachrichten­kontrolle der Militärregierung Bayern.-Verlag: Katholische Kirche Bayerns . Druck: Neue Münchner Verla gs- GmbH., Bayerstraße 57/59.