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Zeugen der Wahrheit, Kämpfer des Rechts gegen den Nationalsozialismus / vom Domkapitular Joh. Neuhäusler, München
Entstehung
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OSR 134 2

,, Wenn aber ohne Unsere Schuld der Friede nicht sein soll, dann wird die Kirche Gottes ihre Rechte und Freiheiten verteidigen im Namen des Allmächtigen, dessen Arm auch heute nicht verkürzt ist." ( Papst Pius XI. im Weltrundschreiben ,, Mit brennender Sorge " vom 14. März 1987.)

Als mir meine Heimat im Sommer 1945 nach 4% Jahren Gefangenschaft eine herz­liche Begrüßung entbot, brachte der schlichte Landchor zum Schlusse des Festgottesdien­stes eine große Überraschung, das Lied vom Evangelimann ":" Selig sind, die Ver­folgung leiden um der Gerechtig­keit willen; denn ihrer ist das Himmelreich."

Ich war zu tiefst ergriffen von dieser An­wendung des Herrenwortes aur mein Leid. Ich war darob zugleich beschämt im Ge­danken an die Millionen von Menschen, die in Gefängnis und Konzentrationslagern noch viel mehr ausgestanden hatten als ich, zu Hunderttausenden dem Moloch National­ sozialismus ihr Leben opfern mußten.

Ich dachte aber auch an all die ungezähl­ten großen und kleinen Getreuen, die im großen ,, Konzentrationslager Deutschland" ob ihrer christlichen Überzeugung und Haltung oft jahrelange Benachteiligungen, Zurückset­zungen, Bedrohungen, Beschimpfungen und Verfolgungen auszuhalten hatten, ohne daß die Öffentlichkeit viel davon erfuhr.

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Seitdem habe ich viel Neues von solchen blutigen und unblutigen Opfern furchtloser Zeugen der Wahrheit und Kämpfer des Rech­tes erfahren, insbesondere solcher aus Reihen unserer heiligen Kirche. Einiger we­niger konnte ich kürzlich( 17. Februar 1947) in einem Rundfunkvortrag gedenken, freilich nur mit dem peinlichen Gefühl, daß jedem von ihnen viel mehr des Lobes gebührt hätte, und so viele, die in der knappen Viertelstunde überhaupt nicht genannt werden konnten, ebensogut einer ausführlichen Erwähnung würdig gewesen wären.

So wurde es mir wenige Stunden nach dem Vortrag zum dringenden Bedürfnis, einer grö-, Beren Anzahl dieser wackeren Mitstreiter und Leidensgefährten ein kleines und bleibendes Gedenken zu schenken, nicht so sehr, um sie zu ehren, als um uns alle zu belehren. Was der Heiland einem der größten Zeugen der Wahrheit und Kämpfer des Rechtes, dem hl. Johannes dem Täufer, nachgerühmt hat: ,, Er war die brennende und leuchtende Lampe" ( Joh. 5,35), das dürfen wir wenigstens in be­scheidenem Ausmaß auf manchen dieser Ru­fer und Streiter im Widerstand und Kampf gegon den Antichrist der letzten Jahre an­wenden. Wir sollten uns aber nicht, wie die Juden nur eine Zeitlang an

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Scheine ergötzen", sondern an der Glut ihres Herzens und an der Leuchte ihres Le­bens und Leides bei vielen auch ihres Ster­bens uns dauernd entzünden und stärken, um selbst immer mehr nach dem Licht zu streben, nach Seelengröße, Charakterstärke, Pflichttreue, Verantwortungsbewußtsein, Ein­satzbereitschaft, Glaubenseifer, Bekenntnis­mut, Opfergeist, Christusliebe.

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Freilich, nichts liegt mir ferner und würde auch der ganzen Gesinnung dieser Zeugen und Kämpfer mehr widersprechen, als sie sozusagen ,, heilig" zu sprechen. Ich möchte auch nicht es glauben machen, daß den vergangenen Jahren auf kirchlicher Seite nur Licht und Kraft, nur Festig­keit und Tugend, nur Klarheit und Ge­radlinigkeit gegeben hat und daß alles in schönster Ordnung gewesen ist. Auch die Vertreter kirchlicher Stellen sind Menschen, und auch hier gilt das Wort: ,, Wo Menschen sind, da menschelt es." Wir alle müssen mit dem hl. Augustinus klagend ausrufen: ,, Homo sum; nil humani a me alienum puto." ,, Ich bin ein Mensch; nichts Menschliches; glaube ich, ist mir fremd." Wundern wir uns darum nicht, wenn wir im Alten Bunde un­ter den Propheten, im Neuen Bund im strah­einzelne lenden Kranz der Päpste auch schwache Gestalten finden, wie bei den Apo­steln mancherlei Schwächen, sogar Verleug­nung und Verrat. Auch dies ist im Heilsplan Gottes vorgesehen, wie es des Herren Gleich­nis vom Unkraut im Weizenacker darlegt. Freilich, wir Menschen verstehen das nicht immer, sind über einzelne Versager an füh­renden Stellen empört und neigen in solchen Fällen nur allzuleicht zu vernichtenden Urteilen verallgemeinernder Natur; manchmal werden wir vielleicht sogar irre an der Sache selbst. Das sollte aber niemals sein!

,, Fallt mir nicht ab!", sagte der kleine Tini, der elfjährige Sohn von Pa­stor Niemöller, meinem lieben Mit­gefangenen und Zellennachbar in Dachau , als Mutter und Schwester am Oster­sonntag 1945 davon sprachen, daß es manchmal schon schwerfalle, an Gottes Güte zu glauben, wenn soviel Leid zusam­menkomme wie bei ihnen in den letzten Mo­naten: der Vater das 8. Jahr in Haft, die Kin­der Jochum und Hertha tot! ,, Fallt mir nicht ab!" mußte auch die Kirche 12 Jahre lang ihren Söhnen und Töchtern zurufen, als der

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