Nachwort.
Und damit schließt der sachliche Bericht einer politischen Kämpferin. Ergreifend in seiner Schlichtheit führte er unsere Gedanken auf absonderliche Wege menschlicher Verirrung und Verbrechen. Diese Frau erzählt wie von Dingen, die sie bereits innerlich überwunden hat. Und doch fragen wir uns erschaudernd: Wie war es möglich, diese furchtbaren Schicksale täglich mitansehen zu können, ohne dabei zu zerbrechen? Wie viele Menschen sind in ähnlichen Fällen physischer Verwahrlosung auch charakterlich verkommen und untergegangen, haben den Glauben an das Gute im Menschen verloren und sind schließlich doch mitgeschwommen im schwarzen Schlamm der Schande"?
Es sind die Künder einer neuen Zeit auch unter den Frauen, die durch einen glücklichen Zufall der Natur dem mörderischen Zugriff ihrer Feinde entronnen sind, obwohl sie bereit waren, den höchsten Einsatz, das Opfer ihres Lebens, in die Wagschale zu werfen- für die unerschütterliche Gewißheit d'es Sieges ihrer gerechten Sache. Mit Stolz blicken wir Antifaschisten auf solche Frauen in unseren Reihen. Sie haben uns den Glauben an das Ewig- Menschliche hinübergerettet in die Zeit der Neuordnung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse.
Mögen sie vielen Frauen und Mädchen unseres Volkes ein Vorbild politischer Überzeugungstreue werden! Möge sich die Frau der Verantwortung bewußt werden, die sie für die kommende und schon heranwachsende Generation zu tragen hat! Sie ist die Erzieherin der Kinder; sie soll in ihnen das Gefühl sozialer Gerechtigkeit entwickeln und sich der Opfer derer würdig erweisen, die in den Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern erst die sittlichen Voraussetzungen für die Befreiung vom nazistischen Joch geschaffen haben.
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