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Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
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machtsanfälle in großer Zahl. Die Häft­linge durften sich jetzt keinesfalls zur Ruhe legen, viel­mehr wurden sie sofort wieder zu ihren Arbeitskommandos befohlen.

Der berüchtigte Judenblock

Dem Bericht ist noch hinzuzufügen, daß innerhalb des Lagers ein besonderer Juden- Block bestand. Dort wurden zumeist Jüdinnen und jüdische Mischlinge aus allen Gebieten Deutschlands eingeliefert. Ende des Jahres 1941 und in den letzten Wintermonaten 1942 wurden dort von Auschwitz kommende weibliche Häftlinge untergebracht.

Auch tschechische Jüdinnen befanden sich in dieser iso­lierten Baracke. Die hygienischen Zustände spotteten jeder Beschreibung. Die Unterkunftsräume waren äußerst ver­schmutzt, sodaß sich bei kranken Häftlingen die scheuẞ­lichsten Folgen ergaben. Beispielsweise waren die mit Stroh oder Hobelspänen gefüllten Schlafsäcke von allem möglichen Unrat verschmutzt. Kranke Häft­linge, die in diesen Räumen zubringen mußten, erhielten so gut wie gar keine ärztliche Betreuung.

Oftmals kam es vor, daß sich in den offenen Wun­den, die durch Prügelhervorgerufen wur­den, Madenwürmer fanden, die ihre Brutstätte zu­meist in den gänzlich verunreinigten Schlafsäcken hatten. Außerdem litten die Häftlige an Brandwunden, die sie während ihrer schweren und für die Gesundheit überaus gefahr vollen Ar­beiten erhalten hatten. Ohne ärztliche Behandlung gingen sie bald in einen eitrigen Zustand über, der eben­falls nicht durch Eingreifen der Lagerärzte behoben wurde.

Blutterror gegen volksbewußte Polen

Im Jahre 1942 erhielt das Lager Ravensbrück Zuzug von polnischen Häftlingen. Es waren in der Mehrzahl Studentinnen und Abkömmlinge aristokratischer

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