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Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
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in den Adern erstarren lassen. So wurden einige der Frauen, deren Körperbau für die medizinischen Versuche besonders geeignet erschien, zur künstlichen Befruchtung verwendet. Gewöhnlich waren es etwa hundert Frauen, die für diese Experimente bestimmt wurden. Andere wurden zum Beispiel bei vollem Bewußtsein operiert, ja es wurden sogar Körperteile präpariert.

Diese Eingriffe entsprechen ganz unseren Vorstellungen von den anatomischen Arbeiten an den Univer­sitäts - Kliniken, nur mit dem Unterschied, daß es sich hier um lebende Frauen und Mädchen und nicht um Leichen handelte.

Diese Versuché wurden, wie ich schon sagte, ohne Be­täubung durchgeführt. Das zu präparierende' Gewebe des Muskelbündels, Nervenstranges usw. wurde lediglich einer Vereisung unterzogen. Die Folgen waren furchtbar. Viele dieser Frauen, die man also absichtlich wie das Vieh vor dem Schlachten gemästet hatte, kamen als Krüp­pel auf Krücken und Stöcken hinkend aus dem Revier wieder heraus. Diese Untaten der SS­Leute stellen eines der größten Kultur­verbrechen der Menschheit dar. In die gleiche Kathegorie gehört als besonderes Kapitel die A us- wahl von weiblichen Häftlingen für die Offiziers- und SS - Bordelle.

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Zu den medizinischen Versuchen zählte auch eine Mas­senblutentnahme. Hier mußten sich in langer Reihe oft Hunderte von Frauen aufstellen, die man sich aus den Baracken und Arbeitsstellen geholt hatte. Jede mußte im Revier 500. Kubikzentimeter Blut ,, spenden". Es hieß, daß diese Blutmengen konserviert werden sollten und für die Wehrmacht bestimmt wären. Nach der ,, Blut­spende" befiel fast alle Frauen eine außerordentliche Schwäche; dabei waren Schwindelgefühle noch das Glimpf­lichste. Zunächst gab es noch während dieser Blutentnahme, wie auch auf dem Wege nach den Baracken Ohn­

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