Druckschrift 
Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen

uns 25 Schläge auf dem berüchtigten Bock. Während die anderen bei dieser furchtbaren Tortur völlig bekleidet waren, wurden mir die Beinkleider aus­gezogen.

Frauen als medizinische Versuchsobjekte

Eines der furchtbarsten Kapitel bestialischer Grausam­keiten im Lager Ravensbrück war die Heranziehung von weiblichen Häftlingen zu medizini­schen Experimenten. Die einzelnen Versuche dieser Art sind so vielgestaltig, daß ich hier nur die haupt­sächlichsten herausgreife.

Zuvor möchte ich noch von einem Umstand sprechen, der im Lager an der Tagesordnung war. Es gefiel den Lager­ärzten, ihre sexuellen Begierden an weib­lichen Häftlingen auszulassen. Ergaben sich aus den Verhältnissen natürliche Folgen, so wurde operativ eingegriffen. Bei diesen Abtreibungen fand manche Leidens­gefährtin den Tod.

Mehrfach im Jahre geschah folgendes: Aus der Mitte der Häftlinge wurden besonders gesunde Frauen ausgesucht, die sofort für das Revier bestimmt wurden. Sie genossen sechs Wochen lang beste Verpflegung. Den Uneingeweihten mochte diese Tatsache zur Verwunderung stimmen; man hatte jedoch bald heraus, um welchen te uflischen Plan es sich hierbei handelte.

Eines Tages erschienen mehrere hochelegante Personen­kraftwagen im Lager. Heraus trat ein ganzer Stab von SS­Offizieren. Es handelte sich hierbei um Ärzte, die entweder aus dem SS- Hauptsanitätsamt Berlin oder verschiedenen anderen Lagern stammten. Der Zweck ihres Erscheinens war offenkundig! Es galt an den in das Revier eingelieferten Frauen medizinische Versuche vor­zunehmen. Meinen Leidensgefährtinnen und auch mir sind Fälle bekannt, die einem vor Scham und Empörung das Blut

21