Druckschrift 
Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
  

In dieser Verfassung fand mich eines Tages der SS - Trupp­führer R a'm do, der von mir ein Geständnis erpressen wollte. Ich blieb jedoch standhaft und mußte weiterhin unter den gleichen Verhältnissen zubringen. Meine Qualen wurden etwas gelindert, und zwar dadurch, daß mir der Kommandant nach einer Visite zwei Schlaf­decken bringen ließ. Außerdem erhielt ich täglich die be­sagten 350 Gramm Brot und zweimal heißen Kaffee, und mittags wurde mir ein dürftiges warmes Mittagessen ge­reicht. Die Zelle blieb aber verdunkelt, so daß ich kaum hoffen durfte, aus dieser Bunkerhaft jemals wieder herauszukommen.

Bei einem neuen Verhör verweigerte ich wiederum die Aussage. Meine Lage hatte sich jedoch noch dadurch verschärft, daß bei mir eine Broschüre in pol­nischer Sprache über die von den Deutschen gegen die volksbewußten Polen verübten Massen erschießungen gefunden wurde. SS - Trupp­führer Ramdo versuchte es daraufhin mit härteren Er­pressungsmethoden. Ich mußte in ein Bassin steigen, wo ich dreimal hintereinander unter Eis­duschen genommen wurde.

Nach dem ersten Male wurde ich gefragt, ob ich aussagen wollte. Da ich dies verneinte, mußte ich ein zweites und drittes Mal die wie mit tausend Nadeln stechenden Eis­duschen über mich ergehen lassen. Aber das alles konnte mich nicht davon abhalten standfest zu bleiben. Man schrie mich deshalb an: ,, Wollen Sie aussagen?" ,, Nein!" ,, Dann stellen Sie sich an die Wand! Ich gebe Ihnen Ihre letzte Chance!" Dabei legte der SS - Henker seinen Dienst­revolver neben sich hin und drohte mit dem Erschießen. - ,, Schön, dann nicht!", sagte er nach einigem Zögern ,,, dann bleiben Sie eben hier bis Sie alt und grau werden!"

Wegen der Polen - Broschüre waren mit. mir fünf andere Frauen verhört worden. Zur Strafe für unsere Standhaftigkeit erhielt eine jede von

20

20