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Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück / Helmut Franz
Entstehung
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Um für ihre Reisen im deutschen Reichsgebiet weitere Geldmittel zu erhalten, ließ sich Frau P. unter einem Pseu­doným die zu ihrem Unterhalt erforderlichen Geldmittel unter ,, postlagernd" nachschicken.

Die Gestapo wirbt

Bei ihrer Verhaftung war die Gestapo äußerst zuvorkom­mend. Die Ursache dieses Verhaltens wurde bald offenbar: Sie sollte zu Spionagediensten herange­zogen werden! Man legte ihr besonders nahe, die Beziehungen zur Tschechoslowakei in einer der Gestapo gemäßen Weise auszubauen. Als erfahrene Funktionärin verhielt sie sich Zunächst abwartend. Der Gestapo kam es vor allem darauf an, einen ihrer Bekannten, dessen Namen sie durch unvermutete Kontrolle des Schriftwechsels er­halten hatte, festzunehmen. Es wurde ihr aufgetragen, den Betreffenden nach Ober- Vogelsang bei Plauen zu bestellen.

Die Fahrt wurde durch drei Gestapobeauftragte mit der Frau P. durchgeführt. Sie hatte jedoch ihren Bekannten durch einen Eilbrief von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt, sodaß dieser in dem betreffenden Ort nicht erschien. Auf der Heimfahrt machte man in einigen Gastwirtschaften Rast. Die Gestapo - Leute hatten sich alkoholische Getränke mitgebracht, denen sie bis zur völligen Trunkenheit tüchtig zusprachen. Sie wurden Frau P. gegenüber zudringlich; diese wehrte jedoch alle Versuche in dieser Richtung mit Erfolg ab. Sie wurde weiter in Haft behalten.

Da die Gestapo ihr Bemühen, Frau P. zu Spionagezwecken weiter zu verwenden, nicht aufgeben wollte, wurde sie in Berlin dem Sicherheitsbeauftragten des Reichsführers SS, Reinhard Heydrich , vorgestellt. Die Unterredung dauerte jedoch nur 10 Minuten. Heydrich war äußerst mißtrauisch und glaubte, sie nicht in den Dienst der Gestapo einstellen zu können. Er lehnte deshalb ab.

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