Es war eine der zahllosen Phrasen, bewußten Täuschungen und Lügen
des Nazismus, daß er die Achtung vor der Frau an seine Fahnen heftete. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus.
Hitler wollte die Frau politisch entmündigen und zur Gebärmaschine herabdrücken. Sie sollte gegenüber dem Mann ein Mensch zweiter Klasse sein.
Gerade in der Behandlung der Frauen und Mädchen in den Konzentrationslagern zeigt sich am deutlichsten die wahre Einstellung der Nazisten zur Frau überhaupt. Ein Zug von Verworfenheit, von Sadismus und allgemeiner Willkür kennzeichnet auch hier alle ,, Führer" des ,, Dritten Reiches ".
Das Minderwertigkeitsgefühl des kleinen Bürgertums, dieser ideologischen Hauptstütze der Nazis, schlug hier in sein Gegenteil um, sobald etwas Macht in ihren Händen lag.
Der Nazismus verherrlichte zwar den Mann als den Träger der Kultur, praktisch aber waren die Männer im Dritten Reich zu einem Dasein von politischen Hampelmännern verurteilt, indem von ihnen verlangt wurde, freiwillig auf das Denken zu verzichten und das Denken der Führung zu überlassen. Die zwangsläufige Folge mußte ein Minderwertigkeitsgefühl seiner Anhänger sein, das ihnen jedoch meist nicht zum Bewußtsein kam.
Auch der Frau gegenüber spielte der Mann auf diese Weise eine klägliche Rolle, denn einerseits unterstrich er seine Männlichkeit doppelt und dreifach und mußte sich auf der anderen Seite gefallen lassen, daß der Staat über ihn hinwegsah und ihn zu den politisch dümmsten Manövern, wie sich erwiesen hat, mißbrauchte.
Was wir in den Lagern an Mißhandlungen und Auswüchsen erlebt haben, kommt auf das Konto eben dieser Kleinbürger, angefangen vom Wachmann bis zum Lagerführer.
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Univ- Bi
Giessen.
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