klammert sie sich fest an ihren Herrn. Mit ihrer ganzen dem Tode gehörenden Existenz versucht sie, den Herrn im Grabe zu halten. Sie fordert den Herrn für sich auf, sie will mit Ihm handeln nach ihren Gedanken, sie will über Ihn herrschen. Aber der im Himmel wohnt, lacht. Soll Er nicht lachen? Wenn Sünde, Teufel und Tod zusammen den Herrn nicht im Grabe halten konnten, was kann denn diese Maria? Diese eine schwache Frau? Sie kann nur weinen! Aber ihr Weinen kann Gottes Lachen nicht übertönen.
Maria ist wieder draußen. Da sieht sie Jesus. Sieht sie Jesus wirklich? Nein, sie weiß nicht, daß es Jesus ist. Sie meint, es sei der Gärtner. Die weinende Maria bleibt blind und taub. So viel Macht hat der Tod über sie. Wieviel Mühe und Sorgen des Todes will sie auf sich nehmen! Wo ihr toter Herr sich auch befindet, sie will Ihn holen.
Und doch: Gottes Lachen kommt näher und näher. ,, Weib, was weinest du? Wen suchst du?" So spricht Jesus ihr zu. Und da muß der lebendige Jesus aus Marias Mund vernehmen, wie sie den toten Jesus sucht.
Verloren, wie wir alle, die im Reich des Todes schon gehört haben von Ostern, aber die Kraft der Auferstehung in unserem Leben noch nicht gespürt haben. Die schon wissen, daß Gottes Lachen über diese Todeswelt triumphiert, aber es ist keine Lebenswirklichkeit für uns. Es geht uns wie den Jüngern am Ostertage: ,, Sie hören die Botschaft wohl, aber sie meinen, Märchen zu hören, und sie glaubten sie nicht." Immer wieder suchen wir falsch. Suchen bei uns selbst, obgleich wir mit unserem ganzen Dasein dem Tode gehören, suchen einen toten Herrn. Immer wieder müssen wir entdecken, daß wir enttäuscht zurückkehren und der dritte Tag unseres Lebens ein blindes Weinen ist!
Das Lachen Gottes würde für Maria ein Märchen geblieben sein, wenn der lebendige Herr in seiner Erbarmung dieses verlorene und verirrte Schaf nicht gesucht hätte. Das ist eben die Herrlichkeit des Osterfestes: Gott lacht nicht unser, wie Er seiner Feinde lacht, ein hartes, grimmiges Lachen, sondern Gott lacht das gute und herrliche Lachen des Vaters, der den verlorenen Sohn in seine Arme schließt. Jetzt muß es Maria hören. Denn dieses Lachen kommt auf sie zu, nimmt sie auf und trägt sie fort. Es kommt so nahe, daß es in ihr Herz einzieht, daß es sie loskämpft aus der Umklammerung des Todes, daß es sie in seinen Besitz bringt, so wie sie da steht, draußen und weinend. Jesus spricht zu ihr: ,, Maria!". Ein Wort, ein Name, ihr Name, Maria, du elendeste aller Menschen, du Verlorene, wie du bist, mit deinem ganzen gebrochenen Leben, wie du einst das Eigentum warst von sieben Dämonen und jetzt das Eigentum des Todes bist, wie du dich verbunden hast mit meinen Feinden, um mich im Grab zu halten, Maria, die du nur noch weinen kannst,
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