VORBEMERKUNG
Die vorliegend veröffentlichte Predigt ist merkwürdig sowohl hinsichtlich des Predigers, von dem sie gehalten, als auch des Ortes an dem sie gehalten, als auch der Gemeinde, vor der sie gehalten wurde.
Der Prediger, ein jüngerer holländischer Pfarrer, war um seiner freimütigen Verkündigung derOsterbotschaft willen in seiner niederländischen Heimat von der Gestapo verhaftet und eines Tages nach Dachau verschleppt worden, wo es des Eingreifens der 7. amerikanischen Armee bedurfte, um ihn aus deren Netzen zu befreien.
Der Ort, an dem sie gehalten wurde, war die sogenannte Kapelle des Blockes 26. Seit Ende des Jahres 1940 diente die erste Stube des Pfarrerblockes unter dieser euphemistischen Bezeichnung als Gottesdienstraum für die gefangenen Geistlichen beider Konfessionen. Diese hatten Zutritt, aber auch nur sie; den übrigen Häftlingen war nicht nur der Besuch der Gottesdienste streng verboten: schon das Betreten des Pfarrerblockes, geschweige der Kapelle zog empfindliche Strafen nach sich. Eine wachsende Anzahl von Gefangenen ließ sich aber auch durch die schwersten Drohungen den Weg zur Kapelle nicht verlegen. Verstohlen nahmen die Armsten, meist in wenig feierliche Lumpen gehüllt, an dem Gottesdienst teil. So bildeten sie mit den Geistlichen zusammen eine Gemeinde, die für die Verkündigung des Evangeliums vielleicht aufgeschlossener war als so manche in großen Kathedralen und Domen versammelte Zuhörerschaft.
Pastor den Hertogs Osterpredigt wurde am Abend des Ostermontags 1944 gehalten. Sie machte auf die Hörer einen gewaltigen Eindruck, der in den Tagebuchblättern des Häftlings Nr. 16 921 näher geschildert ist. Diese Aufzeichnungen werden demnächst im NEUBAU- VERLAG MÜNCHEN veröffentlicht und dem Leser in dem zweibändigen Werke von K. A. Groß: ,, 2000 Tage Dachau " und„, 5 Minuten vor 12" zugänglich gemacht.
Möchte der markerschütternde Ernst dieser Botschaft wie die sieghafte Freude, die sie vermittelt, zu einem Kraftstrom werden, der in dieser Osterzeit in vielen Lesern die Not der Tage, die Schuld ihres Lebens und die Angst vor dem Todesgericht hinwegspült.
Der Herausgeber.
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