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Und Gott lacht ... : Predigt eines holländischen Pfarrers gehalten am Ostermontag 1944 im Konzentrations-Lager Dachau / Willem Eicke den Hertog
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Zu spät mit unserer Zuwidmung, unserer Frömmigkeit, unserer Religiosität.

Was einmal verspielt wurde, bekommen wir nicht wieder. Am Ende aller

unserer Möglichkeiten, aller unserer Anstrengungen wartet das leere Grab, der- grinsende Tod. So sieht die Welt ohne den lebendigen Christus aus: Da liegen wir noch in unseren Sünden, da sterben wir noch in unserem Elend. Grau und grausam ist der dritte Tag von uns aus. Ein elendes, fürchterliches, tödliches Weinen. Ein Weinen ohne getröstet zu werden. Das Weinen derer, die draußen stehen.

Maria stand vor dem Grabe und weinte draußen.

In dieser furchtbaren Lage erreicht uns das Osterevangelium. Gott Lob und Dank; der Ostermorgen bedeutet für uns nicht das Ende, weil Gott selbst von sich aus die große Wende eingeleitet hat. Und wir sollen heute hören, wie es von der anderen Seite herkommt: Mächtig, herrlich, wunderbar.

Was geschah eigentlich am ersten Tag? Alle Feinde Gottes haben sich empört und versammelt wider den Herrn und seinen Christus: Herodes und Pilatus mit den Heiden und dem Volke Israel . Alle Feinde Gottes: Sünde, Teufel und Tod haben sich zusammengeschlossen, den Herrn Christus zu besiegen. Aber am dritten Tag geht in Erfüllung das andere Psalmwort:DER

IM HIMMEL WOHNET, LACHT! a

Ostermorgen. Morgen des Lachens! Gottes Lachen über seine Feinde, Gottes Lachen über unsere grauenhafte Welt, Gottes Lachen über Tod und Todes-, schrecken, aber auch Gottes Lachen über Maria Magdalena , die draußen steht und weint.

Hört sie es nicht, sieht sie es nicht?

Sie guckte in das Grab und sah die Engel. Hat sie die Engel wirklich gesehen? Nein: sie sieht ja nur den Tod. Liebe ist blind, sagen wir. Diese weinende Maria ist tatsächlich blind. Sie sieht sich selbst in ihrem Elend und Tod, sie sieht das leere Grab und sonst nichts. Und doch ist Gottes Lachen da. Die Engel sitzen im Grabe als Zeugen des Sieges Jesu Christi . Das Grab ist nicht leer, sondern erfüllt von Gottes Herrlichkeit. Hier ist nicht der Tod Herr, hier waltet die starke Freude Gottes. Aber Maria sieht nicht, wie die frohe Botschaft Gottes ihr entgegeneilt aus dem Grabe, wie hell es ist im Reich des Todes, wie Gottes Lachen ihr entgegenklingt in der Frage:Weib, was weinest du?. Maria ist taub und blind. Sie hört allein das Klopfen ihres Herzens:Zu spät, zu spät! Sie sieht allein die Trostlosigkeit des verlorenen Tages.Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben,

Meinen Herrn, sagt sie. Mit beiden Händen, mit ihrer ganzen Existenz

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