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Gott im Konzentrationslager / Kurt Walter
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zen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn nicht geachtet."

Und das Gedenken daran vermochte das aufbegehrende Herz still zu machen; freilich nicht, weil man sich mit Jesus nun vielleicht doch wieder sozusagen in guter Gesellschaft befand, sondern weil wirklich ,, die Schmach Christi" größerer Reichtum ist, denn die Schätze Ägyptens ".( Hebräer 11, V. 26). Nein, es war keine Ehre damit einzulegen, und ich will auch jetzt lieber keine Ehre davon haben, ein Häftling des Dritten Reiches gewesen zu sein; was uns da jetzt zuweilen entgegengebracht wird, das will mir manchmal vor­kommen wie eine unanständige Ehre, und ich will lieber bleiben in der ,, Schmach Christi", die seinen Jüngern wahrhaft ansteht. Denn ich habe mit tiefem Dank gegen meinen Erlöser zu bezeugen, daß es seine Schmach war, von der ich drei Jahre lang gelebt habe, ja­wohl: gelebt von der Schmach Christi, sonst wäre ich vielleicht auch unter den vielen, die sich im Laufe der zwölf Jahre auf den Hoch­spannungsdraht geworfen haben, der um das Lager gezogen war.

Als ein Gefangener der Menschen, damit wir frei würden, als unser Bruder, der unser Heiland wurde, ist ja Christus den Weg gegangen, der auch unsere Füße müde machte, mühte sich mit der Arbeit, die auch unsere Hände schmutzig und schwielig und blutig werden ließ, litt unsern Hunger und Durst, unsere Krankheit, Müdigkeit und Erschöpfung, trug sich mit der Sorge und Not, Ent­täuschung und Angst, die auch unsere Herzen unruhig und wund machte, mit dem Schmerz und der Traurigkeit und Sehnsucht, die auch unsere Augen übergehen ließ, mit der Qual, die auch unsere Leiber sich aufbäumen und unsere Seufzer der Brust entströmen ließ. In diejenige letzte Tiefe ist Christus für uns alle hinabgestie­gen, wo alle menschliche Größe und Herrlichkeit und Großartigkeit längst vergangen und zu Ende ist, wo kein großes, feines Wort, kein schöner, seliger Klang mehr gehört, kein großer, herrlicher Gedanke, auch kein ,, religiöser Gedanke", mehr vernommen, auf­

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