ner Todeskrankheit immer wieder wunderbar bewahrt blieb, der hat mit Furcht und Zittern und auf den Knien gelernt, was das für den Jünger Christi wohl einmal heißen mag: das Wort, das der Herr Christus seinen Jüngern mitgegeben hat auf den Weg, als er sie sandte„‚als die Lämmer mitten unter die Wölfe ‘ und das wir, wenn wir zu Zweien gingen, manchmal einer dem andern aufgesagt haben, das ebenfalls ganz unwahrscheinliche Wort:„Sehet, ich habe Euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und über alle Gewalt des Feindes, und nichts wird Euch beschädigen“(Lukas 10, V. 19); der hat auch gelernt, was das für den Jünger Christi wohl einmal heißen mag, das andere Wort, welches einst die Jünger ihrem Herrn antworteten, als er sie fragte:„So oft ich Euch aus- gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt Ihr auch je Mangel gehabt?“ Sie sprachen:„Nie, keinen!“ ı
Und dazu haben wir gelernt, was ja unser ganzes Volk und in- sonderheit unsere Ostflüchtlinge nun auch unter Schmerzen lernen müssen: nämlich mit wie wenig Gepäck man im Leben auskommen kann. Wir waren wirklich arm, und unser irgendwie zusammen- gebrachtes bißchen armseliges Zeug, das wir eifersüchtig hüteten, wurde uns dann auch noch gelegentlich von unseren Wächtern ge- raubt. Aber wir konnten dann auch mit besserem Verstehen den Vers singen:„Man muß wie Pilger wandern,/ frei, bloß und wahr- lich leer;/ viel sammeln, halten, handeln/ macht unsern Gang nur schwer./ Wer will, der trag’ sich tot!/ Wir reisen abgeschieden/ mit wenigem zufrieden./ Wir brauchen’s nur zur Not.“ Freilich, ach,
wir waren nicht immer zufrieden; wir waren manchmal zornig und
in den Ernst und in die Zucht seiner Prüfung genommen hat.
Ich weiß auch, daß wir, die wir im Lager gebetet haben, ganz anders als bis dahin, viel, viel ernster, viel wahrhaftiger die vierte
Bitte des Vaterunsers beten gelernt haben:„Unser täglich Brot gib
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