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Im Tal des Todes : Zeichnungen / von Leah Grundig ; Einleitung und Text von Kurt Liebmann
Entstehung
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ter

gewesen sein, lodert die aus Deutschland vertriebene Jüdin Leah Grundig in Tel Aviv den Totentanz ihres Volkes aufs Papier. Aus Mitleiden mit den Qualen dieses Volkes. Aus Protest gegen eine nie dagewesene Bestialität. Als Aufruf an die Menschheit, weiteren Greueltaten Einhalt zu tun und den noch Lebenden zu einem Asyl zu verhelfen.

Diese Beweggründe der Entstehung des erschütternden Zyklus erklären die zeichnerischen Eigentümlichkeiten.

Entsprechend dem ungeheuren Schicksal, das sich hier vollendet, sind die Zeichnungen der Leah Grundig als kämpferische Ausdrucks­kunst der stärksten Art zu bezeichnen. Entsprechend der beabsichtigten Wirkung sind sie außerdem bei aller Meisterschaft der visionären Gestaltung echt volkstümlich einfach und führen in das Wirkliche. Sie sollen zur Tat rufen. Sie sollen etwas bewirken. Sie wenden sich nicht an nur künstlerisch Genießende. Sie wollen vor allem auch nicht- und das möge der heutige Betrachter besonders berücksichtigen- Sensation, Spiel mit dem Entsetzlichen. Davon sind sie ganz frei. Ihr Hintergrund ist ein tiefes, im Prophetischen des Judentums wurzelndes Ethos. Hinzu kommt ein klarer, im Sozialismus gewachsener Wille, Passivität, Duldung in Aktivität zu verwandeln.

Leah Grundig, die am 23. März 1906 als Tochter des Kaufmanns Moses Langer zu Dresden geboren wurde, tritt 1926 in die Kom­ munistische Partei ein, in der sie bis zu ihrer Verhaftung tätig ist. Ihr Lehrer an der Dresdner Akademie der bildenden Künste ist Professor Gußmann. Innerhalb der Partei wächst sie neben ihrer Tätigkeit als Funktionärin an den Aufgaben, die ihr von der Asso­ziation revolutionärer bildender Künstler und der Propagandatruppe Linkskurve gestellt werden. 1927 heiratet sie den revolutionären Maler Hans Grundig , den heutigen Rektor der Akademie der bildenden Künste in Dresden . 1938 wird sie von der Gestapo verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Im Dezember 1939 wird sie aus der Haft entlassen und aus dem Deutschen Reich ausgewiesen. Seit Januar 1940 lebt sie in Palästina( Tel Aviv ). Ihre Rückkehr nach Dresden steht unmittelbar bevor.

Der Zyklus der Zeichnungen wird in Tel Aviv von Leah Grundig 1944 mit hebräischem und englischem Text herausgegeben. Die Zeichnungen werden außer in Palästina in England und Amerika gezeigt. In einer Ausstellung der Pierpont- Morgan- Buchhandlung in New York liegt ihre Mappe unter 300 illustrierten Büchern von 32 Nationen und wird besonders erwähnt. Die ,, New York Times " veröffentlicht von ihr eine Zeichnung neben einer Radierung Picassos.

Der Dresdner Schriftsteller Max Zimmering , Emigrant vor dem Naziterror, bringt zwei Mappen mit nach Deutschland . Von ihm erhal­

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