In der Lagerzeitung der tschechoslowakischen Kameraden des KZ. Buchenwald vom 19. April 1945 erschien ein Leitartikel mit der Überschrift ,, Unser Verhältnis zu den deutschen Kameraden", dem wir folgendes entnehmen:
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, Vergessen wir nicht, daß die Mehrheit der deutschen Kameraden, die sich im Lager auf führenden Stellen befanden, jahrelang wegen ihrer antifaschistischen Gesinnung und ihres Kampfes gegen die Nazis im Lager sitzen. Wie konnte es geschehen, daß schon vor dem Eintreffen der amerikanischen Armee Waffen im Lager waren, sodaß das Tor von Häftlingen besetzt war, bevor die ersten amerikanischen Panzer ankamen? Wie war es möglich, daß gleich nach der Befreiung des Lagers die einzelnen nationalen Komitees in Funktion treten konnten? Wie geschah es, daß die Amerikaner in Buchenwald 21000 lebende Häftlinge und nicht ein leeres Lager vorfanden? Solche schwerwiegende Fragen könnten wir zu Dutzenden stellen.
Die Voraussetzung für alle diese Tatsachen waren die Bedingungen, die von den deutschen politischen Häftlingen in Zusammenarbeit mit den übrigen Nationen geschaffen worden sind. Wir wissen noch sehr gut, wie die grünen Lager ältesten und die von der SS eingesetzten Blockältesten gegen uns wüteten, erinnern wir uns noch an die Zeit Plauls und die berüchtigte Sonderkompanie, in der alle prominenten deutschen Häftlinge strafweise zusammengefaßt waren. Und es waren wiederum in erster Reihe die deutschen politischen Häftlinge, die diese Schrecken rücksichtslos liquidierten, und so die konspirative Arbeit der einzelnen Nationen ermöglichten. Niemand, der damals im Lager war, wird die einzigartige Solidarität vergessen, mit der die ersten, von langen Märschen und unmenschlicher Behandlung geschwächten sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager empfangen wurde. Die deutschen Kameraden, die deutschen Blockältesten waren es, die dafür mit 25 Stockhieben bestraft und zur Arbeit in den Steinbruch geschickt wurden.
Es ist notwendig, die deutschen Kameraden unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten. Entscheidend für uns ist, daß wir Tschechen in fast sechsjähriger Zusammenarbeit als gleichgestellte Partner behandelt wurden und daß es so möglich war, das schwere Leben unserer Landsleute zu erleichtern. Wir wollen deshalb, daß unser Verhältnis zu den deutschen Kameraden bis zum Ende ein gutes bleibt."
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