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Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
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Wir lassen uns nicht evakuieren

Das war allerdings leichter gesagt als getan. Der Kommandant, SS­Oberführer Pister, der die Stimmung im Lager ahnte, versuchte, uns Sand in die Augen zu streuen und unsere Wachsamkeit zu täuschen. Er rief eines Tages alle reichsdeutschen Häftlinge zu einer Versamm­lung zusammen. Dort versicherte er uns bei seinem ,, Ehrenwort als Of­fizier", daß das Lager nicht evakuiert werde und niemanden von uns etwas geschehen würde. Im Gegenteil, er würde bis zum Schluß blei­ben und das Lager den Amerikanern unversehrt übergeben. Nur ganz wenige unverbesserliche Optimisten fielen auf diesen Dreh herein. Der übergroße Teil von uns aber hörte diesen Versicherungen mit einem ungläubigen Lächeln zu, wir kannten ja die SS - Führung und ihre Ver­sprechungen.

Wenige Tage nach dieser Versammlung wurde plötzlich der Befehl, das ganze Lager zu evakuieren, bekannt.

Jetzt wurde es ernst. Jetzt galt es, unseren Beschluß, uns nicht evaku­ieren zu lassen, in die Tat umzusetzen. Noch konnten wir es nicht auf einen offenen Aufstand und eine Meuterei ankommen lassen. Noch standen rund ums Lager 3000 bis an die Zähne bewaffnete SS - Leute. Noch waren die amerikanischen Truppen nicht nahe genug am Lager, sie standen mit ihren Spitzen immer noch rund 100 km vom Lager ent­fernt in der Gegend zwischen Erfurt und Gotha . In diesen kritischen Tagen wurde nun auch noch die Bewachungsmannschaft von 3000 auf 5000 gesteigert. Auf allen Wachtürmen rund ums Lager standen wie­der schwere Maschinengewehre. In dreifach gestaffelter Postenkette standen die SS- Bewachungsmannschaften mit Maschinenpistolen, Ka­rabinern, Handgranaten, Panzerfäusten und teilweise sogar mit Flam­menwerfern um das Lager und auf den bewaldeten Hängen des Etters­berges. Ja, sogar der Volkssturm der umliegenden Dörfer war zur Ver­stärkung mobilisiert.

So war die Lage, als am 4. April die ersten Evakuierungen begannen.

Was sollten wir tun?

Fürs erste beschlossen wir zu sabotieren, passive Resistenz zu üben, die Evakuierung nach Möglichkeit zu verschleppen. Wir hatten dazu die Möglichkeit, da ja alle Organe, auf die sich die SS - Lagerführung bei der Evakuierung stützen mußte, wie z. B. die Lagerältesten, die

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