Druckschrift 
Das war Buchenwald! : ein Tatsachenbericht / herausgegeben von der Kommunistischen Partei Deutschlands, Stadt und Kreis Leipzig ; zusammengestellt und bearbeitet von Rudi Jahn
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
  

Er

mal Appell! Verflucht, verflucht! Welch eine Nacht! Zum drittenmal in die nassen Kleider. Zum drittenmal hinaus in die Nacht in Nebel und Regen und Kälte... Hatte es wenigstens mit regnen aufgehört? Es rauschte nicht mehr. Nein! Ein Sprühregen empfing uns wie aus einem Gebläse getrieben und durchschauerte die stumpfen Glieder. Noch einmal zum Appellplatz hinauf. Noch einmal in das schreiende Licht der Scheinwerfer hinein. Noch einmal stehen im Schlamm und Regen. Noch einmal zurück in die Blocks und in die Betten. Und wenn dann der Rest des Schlafes hinweggepfiffen wurde, zum viertenmal in dieser Nacht, dann war es Morgen. Ein Morgen noch mitten in der Nacht. Doch die Nacht war nun vorbei.

Eine Nacht ohne Schlaf. Der Tag begann. Hinein in den grauenden Morgen. Müd und zerschlagen. Fröstelnd und hungrig drängten wir uns auf dem Appellplatz zusammen. Wir wurden gezählt. Die Block- führer schimpften und fluchten. Die waren munter. Und wenn dann der Ruf ertönte:‚Arbeitskommandos antreten! dann ging es wieder in einen grauen, hoffnungslosen Tag hinein, und keiner von uns wußte, ob er lebend an diesem Tag zurückkehren würde.

Bruno Apitz , Leipzig , Buchenwald -Häftling Nr. 2417

Morgen

Es ist noch halbe Nacht und in den stillen Gassen des Lagers

steht ein Nebelmeer. Dann tönen Schritte und im harten schrillen Pfeifen erwacht

das graue Häftlingsheer. Zu einem Tagwerk monotoner Schwere weckt uns die Pfeife Morgen um Morgen neu.

Und Abend für Abend 45