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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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INFERNO

Lager mit sämtlichen Lagerinsassen vernichtet werden

soll. Die Gefahr einer Mordorgie in einem Umfang

zeichnet sich immer deutlicher ab, gegen die alles bis- herige verblaßt. Diese Vernichtungsdrohung steht zwei Monate über dem Lager Die Untergrundbewegung gibt genaue Anweisungen aus. Wenn die politischen Häftlinge abtransportiert werden, sollen sie die Wachen über- rumpeln. Eine Tat letzter Verzweiflung, aber immer noch besser, als sich wehrlos abschlachten zu lassen Denn es steht fest, daß jeder Abtransport aus dem Lager ein Todeskommando ist

Aber die Lagerleitung hat aus irgendwelchen eigensüch- tigen Ideen heraus Bedenken. Sie erklärt, daß sie nicht imstande ist, den Befehl zur Verlegung des ganzen Lagers in die Nähe von Salzburg mit der vorhandenen Bewachungsstärke durchzuführen, und gerade dieser Befehl soll als Vorwand für die Vernichtung aller Lager- insassen dienen. Die Möglichkeit von kleinen Trans- porten, welche für die Opfer genau so gefährlich sind, bleibt bestehen.

Die Tage vergehen voller Aufregung und Unruhe. Täg- lich rennen mehr Häftlinge bei Nacht in den Hoch- spannungszaun. Menschen, deren Nerven versagen, Menschen, die seelisch am Ende sind, welche die drohende Nachbarschaft von Mord und Tod nicht mehr ertragen können, die an der Grenze des Wahnsinns ange- langt sind. Das Durcheinander im Lager wächst.

An einem der nächsten Abende sitzen wir wieder zu- sammen. Unsere brennenden Gedanken kreisen unauf-

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