FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
der Flugzeuge zeitweise völlig unhörbar wird. Wenn jetzt eine einzige Brandbombe in die Zelle trifft, wird man hier bei lebendigem Leibe geräuchert, geräuchert wie der Schinken im Rauchfang. Oft sind die Explosionen so nah, daß ich überzeugt bin, in den nächsten Sekunden mitsamt dem ganzen Gebäude zermalmt zu werden.
Das Gebäude wankt wie ein Schiff im Sturm, ich fliege durch den Luftdruck gegen die Tür. Die Einrichtung der Zelle wird durcheinander geworfen, Glassplitter der zerbrochenen Fensterluke bedecken den Boden. Ich höre gellende Schreie, die in den nächsten Explosionen verstummen. Brandiger Geruch erfüllt die Zelle. Der Widerschein riesiger Brände in der Nachbarschaft taucht den Himmel in zuckendes, rötliches Licht.
Endlich wird es draußen stiller. Nur das prasselnde Knistern der Feuersbrunst ist zu hören, immer noch untermischt von dumpfen Explosionen. Es ist, als ob nach einer endlosen Zeit der Spannung man wie aus einem wüsten Traum erwacht. Nach einer Weile kommen verängstigte Wärter mit fahlen Gesichtern, kontrollieren die Zellen ab, sind erstaunt, daß die Insassen noch am Leben sind.
Und die Essenträger bei Tage fragen vorsichtig und gedrückt nach meiner Ansicht. Fragen andere Gefangene. Das Maß ihrer Glaubensfähigkeit an die offiziellen Veröffentlichungen ist erschöpft. Schwerfällig und hilflos lernen sie zum erstenmal eine Wirklichkeit erkennen, die mit ihrer bisherigen Welt, in der sie gelebt
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