FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
Der Kriegsgerichtsrat und sein Begleiter verlassen die Zelle! Mein Anwalt Dr. K. hat es geschafft. Ich danke es ihm, solange ich lebe, frohlockt es in mir!-
Noch eine kleine Atempause wird mir gegönnt. Mein alter Schulterbruch verschafft mir die Möglichkeit, noch vier Wochen in der Krankenabteilung im Gefängnis zu Berlin-Moabit zu bleiben.
Es ist eine Zelle wie jede andere, in der ich liege. Ich bin allein, aber es stört mich nicht.
Der Arzt kann nicht beurteilen, ob meine Schulter wirk- lich schmerzt und ich deswegen nicht zu körperlicher Arbeit fähig bin. Vielleicht will er es auch nicht. Ich werde geröntgt, bekomme elektrische Behandlungen drei bis vier Mal in der Woche.
In der Krankenabteilung liegen auch Frauen. Die Gräfin Stauffenberg liegt in der zweiten Zelle neben der meinigen. Ihr Mann war das Opfer seines vergeblichen Attentats vom 20. Juli 1944 auf Hitler . Sie erwartet ein Kind. Aber ich komme mit den Kranken der Abteilung nur gelegentlich der Zeit des Wartens vor der ärztlichen Untersuchung und vor der Behandlung zusammen. So gelingt es mir nicht, über die Opfer des 20. Juli von ihr noch Näheres zu erfahren.
Auf die Kranken dieser Abteilung wird keine Rücksicht genommen. Sie gehören zu den Ausgestoßenen des Drit- ten Reiches, so wie ich selbst ein Ausgestoßener bin. Eine neue seelische Not gewinnt täglich größeren Ein- fluß, es sind die Fliegerangriffe. In den dunklen Herbst- nächten hat die feindliche Luftmacht Gelegenheit, ihre
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