INFERNO

Die letzten Oktobertage vergehen im Gefäng

nis Lehrter Straße unter Hoffen und Warten.

Es ist am 1. November vormittags, als ein Kriegsgerichts­rat in meine Zelle tritt, begleitet von einem anderen Beamten. Er zieht ein Aktenstück aus seiner Leder­tasche und liest:

,, Der Gerichtsherr hat in Ihrer Strafsache am 25. Sep­tember 1944 folgende Entscheidung getroffen:

I. Ich bestätige das Urteil.

II. Die Entscheidung über die Vollstreckung des Todes­urteils setze ich aus.

Dem Verurteilten ist Gelegenheit zu geben, sich im Arbeitseinsatz unter schwersten Bedingungen zu be­währen. Zu diesem Zweck ist er dem SD. zu über­geben. Ich behalte mir vor, nach angemessener Zeit eine endgültige Entscheidung über Vollstreckung oder Begnadigung zu treffen.

Im Auftrag

gez. Unterschrift."

Der Kriegsgerichtsrat ist höflich und ruhig, stelle ich innerlich erleichtert fest.

Meine Welt, in der ich einst gelebt, war zerstört und tot Dieser Staat hatte sie getötet und zerstört. Ich habe aber eine Chance, das Leben wieder zu gewinnen; das ist für mich jetzt das Entscheidende.

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