Jeu- htet
mer
ade das
ZWISCHEN TOD UND LEBEN
gene Graf S., daß in den nächsten Tagen ein Aufstand gegen Hitler geplant sei. Ich selber sei von den Auf- ständischen als Polizeichef. für ein Gebiet in Nord- deutschland vorgesehen.
Es ist, als wenn der Blitz neben mir einschlägt. Freiheit! War das die Freiheit? Das Todesurteil hinfällig? Ich muß den Atem anhalten. Die Zähne in die Lippen beißen, um nicht laut zu schreien. Gab es das? War es möglich? Es klang so phantastisch und ungeheuerlich, aber eine wilde Hoffnung hebt kühn ihr Haupt.
Ich erzähle auf dem Rückweg in die Zelle meinem Zel- lengenossen W. davon. Es droht mir die Brust zu zer- sprengen, obwohl noch andere Gefangene in der Nähe sind. W. legt warnend die Hand auf die Lippen, während seine Augen funkeln. Ich sehe mich um. Es kann nur der Pfarrer V. gehört haben, ein nervöser, schmächtiger Mensch, der auch zum Tode verurteilt ist und ich weiß nicht wieviele Monate auf die Bestätigung seines Urteils wartet. Aber von ihm droht wohl keine Gefahr.
Ich spreche mit W. lange über die Lage, die jetzt ent- stehen wird, entstehen muß. Die Stunden verrinnen wie im Schneckentempo. Der ganze nächste Tag vergeht in endloser Spannung. Ich versuche, mich ins Kranken- revier zu melden, kann aber wegen Überfüllung erst am nächsten Tag vorgeführt werden. Wieder vergeht eine schlaflose Nacht. Was ist geschehen? Abends kein Flie- serangriff, die Nachrichten bleiben aus.
Endlich am 20. Juli nachmittags schlägt wie eine Bombe die Nachricht von einem Attentat auf Hitler ein. Die
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