FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
er zu einem Menschen in einer Gewissensnot solche Worte sprechen kann. Endlich sagt der Pfarrer mit nüchterner Sachlichkeit:„Besprechen Sie nun Ihre Verteidigung eingehend mit Dr. H. Meine guten und aufrechten Wünsche begleiten Sie. Also, dann Gott befohlen.“
Er reicht uns zum Abschied die Hand. H. ist bis ins Innerste erregt. Wir sitzen eine Weile schweigend.
„Der Pfarrer hat schon recht, wenn er mir vorhält, daß ich nicht diesen bequemen Weg gehen soll. Wir leben in einer Zeit, deren Grundf£esten erschüttert sind. Es ist das Furchtbare, daß wohl die meisten Menschen aus einer heftigen Sehnsucht nach Frieden es für das höchste Glück halten, gehorsam und voller Vertrauen klaren Vorschriften der Obrigkeit folgen zu dürfen. Aber was ein Mensch der Mittelmäßigkeit, und die Masse des Volkes gehört nun einmal zu den Mittelmäßigen, tun soll, wenn die Obrigkeit Gottes Vorschriften mißachtet und seinen Namen nur zum Schein im Munde führt, was dann der einzelne Mensch tun soll- als Märtyrer sterben oder in bewußter oder unbewußter Knechtschaft weiter- leben-, den richtigen Weg werden die meisten Menschen nicht erkennen, geschweige denn ihn finden. Aber der Mensch in einem solchen Zwiespalt muß Gott als seinen obersten Richter anerkennen. Darin besteht ja auch der große, tragische Irrtum des Pfarrers W., den er selbst zu spät erkannt hat. Pfarrer W. hat in dem Glauben, sich den irdischen Richtern ganz unterordnen zu müssen, nicht den Versuch einer Verteidigung gemacht. Er hat vor dem Untersuchungsrichter alles zugegeben, was ihm
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