FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
Mitten in diese Gedanken heult der Fliegeralarm. Eilige Wärter öffnen die Zellen und zählen die Gefangenen ab, die in Gruppen zu zwanzig, jeder mit Gasmaske und einer Handtasche mit den wichtigsten Sachen darin, durch das verdunkelte Treppenhaus in den großen, nicht sehr Vertrauen erweckenden Keller geführt werden, in dem einfache Holzpritschen stehen. Sprechen ist Streng verboten, aber die Wärter können es nicht verhindern. Unten sind umfassende Sicherungsmaßnahmen getroffen. Eine Abteilung des in der Nähe befindlichen Wachregi- mentes hat sämtliche Eingänge und Zwischentüren be- setzt. Ich höre förmlich die Devise des Gefängniskom- mandanten:„Seien Sie vorsichtig!“ Für vierhundert Gefangene außerhalb der Zellen wäre es wirklich nicht schwer, in einer solchen Lage die paar Wärter zu über- wältigen. Sogar ein paar leichte Maschinengewehre sind in Stellung gebracht. Die Posten haben Maschinenpistolen mit scharfer Munition.
H. macht mich auf weitere Schicksalsgefährten auf- merksam. Pfarrer W., ein blonder Württemberger, etwas weich, aber gewissenhaft und überzeugend, der zum Tode verurteilt ist. Er wirkt fast etwas mystisch. H. flüstert mir zu:„Er hat das zweite Gesicht und er hat schon von verschiedenen vorausgesagt, daß ihr Ende bevorsteht. Vor Gericht hat er alles zugegeben, was man ihm zum Vorwurf machte, und auch keinen Verteidiger genom- men. Der Gefängnisgeistliche hat von seiner Anwesenheit
erst erfahren, als er schon verurteilt war. Jetzt versucht
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