ZWISCHEN TOD UND LEBEN
fliegen jetzt niedrig über eine Rollbahn, ich sehe ver-
einzelte Kolonnen sich langsam auf der vom Winter stark mitgenommenen Fahrbahn vorwärtsschieben. An Brücken und einzelnen Straßenteilen, deren grundloser Schlamm deutlich zu erkennen ist, mühen sich ärmlich gekleidete Menschen. Der Krieg liegt auf diesem Land.- Ich bin müde, immer nur an Krieg und Kampf zu den- ken, während das Frühlingsbild Sehnsucht und Freude im Herzen wecken will. Aber ich muß hart sein, denn vielleicht steht schon am Ende dieses Tages die endgül- tige Entscheidung meines Lebens.
So sehr ich auch in mich hineinhorche, kein Zeichen offenbart sich mir.
Wieder ist eine halbe Stunde vergangen. Wir nähern uns einer großen Stadt, die an einem breiten, glitzernden Strom sich machtvoll ausdehnt. Jetzt erkenne ich die Eisenbahnbrücke wieder, die mir bestätigt, daß wir über Warschau sind. Der Flugzeugführer setzt zur Landung an. Gleich darauf steige ich auf Aufforderung meiner Wachen aus dem Flugzeug. Sie scheinen sich an meinen Anblick gewöhnt zu haben, denn ihr Ton ist freundlicher zu mir. Die Freude, auf Urlaub in die Heimat zu kom- men, scheint zu überwiegen. Der eine sagt mir sogar, daß wir gleich weiterstarten werden und in zwei Stunden in Sagan in Schlesien sein wollen, wo wir mit dem Nachmittagsschnellzug nach Berlin weiterfahren.
Ich gehe zwischen meinen beiden Wächtern etwas auf und ab. Flucht wäre hier sinnlos. Der Gesichtsausdruck der beiden läßt keinen Zweifel darüber, daß sie den
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