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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

verstärken, rollt sie stoßend und sich wiegend zum Ende der Startbahn. Der Startposten hebt die Flagge, dann donnern die Motoren los. Ruhig hebt sich das schwer- beladene Flugzeug vom Boden. Ich bin auf dem Wege in

die Heimat.

Diese Rückkehr in die Heimat wird mir stets als etwas Unwirkliches in Erinnerung bleiben. Während des ganzen fünfstündigen Fluges beherrschte mich nur der eine Ge- danke: führt dieser Flug in den Tod, oder war es ein Flug in das Leben? Während das Flugzeug wegen der Gefahr des Beschusses durch Partisanen in ziemlicher Höhe fliegt, kann ich bei dem klaren Wetter jeden Menschen, jedes Gespann auf der Straße deutlich sehen. Die Rauch- fahne eines Eisenbahnzuges hebt sich auf mehr als zwanzig Kilometer Entfernung klar ab. Aber ich finde innerlich nicht die Verbindung zu diesem herrlichen Vor- frühlingstag mit dem Schimmer des ersten Grüns auf den Feldern und auf den Wiesen, der knospenden Kraft, mit welcher die Birkenwälder und Büsche die immer noch tote Einsamkeit der riesigen Nadelwälder so stark unter- brechen, daß ihr heller Farbton den Eindruck der Land- schaft bestimmt.

Unter uns zieht gleichmäßig die Weite der unendlichen russischen Landschaft vorbei. Riesige weiße Wolkenbur- gen segeln im seidigen Frühlingsblau des Himmels. Wir

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