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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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nr art Beate

FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN Komisch, muß ich denken, jetzt sind die Rollen umge- kehrt. Ich muß jetzt das Mißtrauen des anderen über- winden.Es bleibt mir kein anderer Weg, das weißt Du ja, aber es muß rasch gehen. Wenn ich plötzlich abtrans- portiert werde, muß ein genauer Plan vorliegen.

Wann kannst Du das Geld geben, fragt er zurück. Sowie ich die Unterlagen bekomme, wo die Partisanen sind. Ich muß einmal eine Karte haben mit genauen An- gaben, wohin ich fliehen muß, und dann muß ich Adres- sen bekommen hier in der Stadt, wenn es mir gelingen sollte, aus dem Gefängnis zu entweichen. Aber es muß so bald wie möglich sein. Man weiß nie, was die mit einem machen. Plötzlich komme ich hier fort, und dann ist es zu spät, wenn nicht alles vorbereitet ist.

Ich muß vorsichtig sein, da ich schon beobachtet werde, antwortet Harry.Ich kann erst in drei Tagen wieder- kommen, ohne Aufsehen zu erregen. Ich werde ver- suchen, daß Ira hier unten eine Arbeit hat, wenn ich Dich das nächstemal rasiere. Du kannst dann selbst mit ihr sprechen. Aber sage ‚Sie zu ihr, sonst fühlt sie sich ver- letzt.

Harry ist fertig, die Wache holt ihn ab. Sein Gesichts- ausdruck ist schläfrig und gleichgültig wie immer.

In den nächsten Tagen fiebre ich vor Erwartung. Am Nachmittag kommt der Pfarrer zu mir. Ich erzähle ihm von meinem Plan und frage ihn nach seiner Meinung. Jeder Mensch muß den Weg gehen, den ihm Gott weist. Es kommt alles darauf an, zu erkennen, was verlangt Gott von mir jetzt. Nur wenn man hierüber Klarheit hat, ist

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