Druckschrift 
Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen

, wenn

en jetzt eabsich­gte, den zu. ,, Ich

interes­arbeitet,

Augen Stellen, Nimbus

men, daß

wie mög­wird das

zu. ,, Das desstrafe die Aus­Das letz­

um zum

n.

passiert

über mei­

ewährung werde ich aufnahme

dlung zu ich noch

7

ZWISCHEN TOD UND LEBEN

nicht; dazu ist die ganze Handhabung der Militärjustiz heute viel zu summarisch und die Struktur des Nazi­staates viel zu sehr erschüttert und unterhöhlt, als daß man auf das einzelne Menschenleben so viel Rücksicht nimmt, wenn es sich um die angebliche Sicherung der politischen Zielsetzung handelt."

دو

Auf dem Gang ertönen Schritte. ,, Achten Sie auf Spitzel", sagt er mir rasch noch leise. Wenn die Flucht zu den Partisanen klar ist, schreibe ich Ihnen als Stichwort, daß ich Besuch bekommen habe", antworte ich, einer inneren Eingebung folgend. Dann öffnet sich die Tür, während K. sich erhebt. Ein paar Briefe hatte er schon zu Anfang des Besuches an sich genommen. Er drückt mir die Hand. ,, Auf Wiedersehen", sagt er betont. ,, Ja, auf Wie­dersehen! Und vielen, vielen Dank."

Die Tür schnappt ins Schloß, ich bin allein. Das letzte bißchen Heimatgefühl hier im fernen Rußland ist mir mit diesem Abschied genommen.

Ich versinke in langes Grübeln. Ein leises Grauen be­schleicht mich vor der menschlichen Einsamkeit, die jetzt vor mir liegt. Die Reihen der Kameraden, die mit mir hier das gleiche Los tragen, lichten sich täglich. Schick­sale vollenden sich, Leben verlöschen, die vielleicht noch gar nicht gelebt waren. Die Erschießung meines Zellen­nachbarn zur Linken, dessen Todesurteil in diesen Tagen bestätigt wird, macht mich einen ganzen Tag unfähig zu denken. Als ob er geahnt hätte, was ihm bevorsteht, war er in den letzten Tagen von fast unbeschreiblicher Schwermut gewesen. Hatte kaum noch mit mir ge­

97