DER PROZESS

Ein Schlüssel knarrt in einem schweren, eiser­

nen Schloß. Ich schrecke aus kurzem Schlaf. Es war nicht meine Zelle, die aufgeschlossen wurde, es war die Neben­zelle. Ich höre schwere Schritte und leises Klirren von Ketten. Also ein Verurteilter, der dort hereingebracht wird. Diesen Unterschied hatte ich in den drei Monaten meiner Untersuchungshaft bereits zur Genüge kennen gelernt. Und das Geräusch schwerer, tappender Schritte auf steinernen Fliesen, begleitet vom leisen Kettenklir­ren, das Rasseln eines Schlüssels in einem schweren, eisernen Schloß und das Gefühl grauenhaft erregender Ungewißheit, das mich jedesmal ergriff, gegen das ich mich verzweifelt wehrte, ohne meiner überreizten Ner­ven Herr werden zu können, wird mich nie verlassen, solange ich lebe.

Allmählich kehren die Gedanken zu meiner Umwelt zu­rück Aus der linken Öffnung, durch welche das dicke, kalte Dampfheizungsrohr nach der Nebenzelle führt. dringt schwacher Lichtschein. Ich sehe auf die Armband­uhr; die Leuchtziffern zeigen 6 Uhr früh. Also noch ein-/ einhalb Stunden bis zum Wecken Wie mir die Wache mitteilte, als ich heute nacht eingeliefert wurde, ist um 7 Uhr Wecken

Ich fröstle unter der dünnen Decke und ziehe den dicken Mantel, den ich darüber gedeckt habe, etwas höher. Im

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