Dieses Flammenmeer war das Getto der größten Judengemeinde, die es jemals in Europa gegeben hatte. Die letzten dort verbliebenen Juden, noch immer Zehntausende an der Zahl, waren in seinen Mauern wie in einer Falle gefangen. Kurz vorher, im April 1943, hatten die Deutschen geplant, diese Restbevölkerung, umzubringen, sie in die Ver- nichtungslager Auschwitz und Belsen zu schaffen, so wie sie schon vorher Hunderttausende dorthin gebracht hatten, ohne Widerstand zu finden. Dies- mal aber befanden sie sich in einer unerwarteten Situation. Einheiten des Jüdischen Kampfbundes hielten die Straßenecken und Ruinen besetzt, hatten Minen gelegt und schleuderten Handgranaten in die Reihen der deutschen Truppen. Die Deutschen , von dieser Gegenwehr überrascht, zogen sich zu- rück und gingen an den folgenden Tagen zum Angriff über, stießen aber jedesmal auf Widerstand. Nach einer zehntägigen Schlacht wagten die Deut- schen nicht mehr, in das Getto einzudringen.
Nunmehr zündeten sie das Getto an, zuerst mittels Brandbomben aus der Luft und danach durch Brände, die sie vom Boden aus an seinen vier Ecken legten. Sie feierten ihren Sieg aus der Entfernung — in der Überzeugung, das Feuer werde das Ver- nichtungswerk vollenden, das sie selbst im offenen Kampf nicht hatten durchführen können.
Aber der geplante Triumph blieb aus. Mit ihrer letzten Lebenskraft suchten und fanden die Juden Schutz hinter jeder Mauer, inmitten von aus- gebrannten Ruinen. Die Insassen ganzer Bunker


