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Junge Christen hinter Stacheldraht : Erlebnisse im Gefangenenlager für Jugendliche / Oskar Schnetter
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nicht zu lang wird, mache ich hier das Holz und bei jedem Schlag wird die Freude auf das Wiedersehen größer."

An diesen fröhlichen Holzhackerbuben muß ich oft denken.

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Am Eingang des Lagers spricht mich ein Kamerad der Lager­polizei an. Das Gesicht ist mir nicht fremd, denn am Tage zu­vor ist er vor meinem Zelt auf und ab gegangen und hat laut aus Goethes Faust vorgelesen. Davon erzählt er mir auch gleich am Anfang, und dann höre ich seinen ganzen Lebenslauf. Auch aus der Kirche ausgetreten. Er hat manches Feine außerhalb der Kirche gefunden, aber nicht genug. Nun erlebt er hier ,, von Dienst wegen", wie die Kirche täglich zu Morgenandachten, Bibelstunden, Gottesdiensten, Jungenstunden und anderem mehr ruft. Er sieht und erlebt wie die Kameraden kommen, gerne kommen. Früher hätte er versucht sie davon fernzuhalten, heute nicht mehr. Im Gegenteil, er stellt sich selbst dazu. Und von diesem Zuhören sind ihm die Fragen gekommen. Ja, wo der Name Jesus verkündigt wird, da geschieht etwas, sagte einmal ein mir bekannter Pfarrer. So darf ich es in diesen Tagen erneut dankbar erleben. Im Herzen dieses Lagerpolizisten ist ein Fragen nach Gott aufgebrochen, das nach einer Antwort sucht. So suchen wir im Gespräch gemeinsam. Er spricht auch mit dem katholischen Pfarrer, mit dem ich in all den Wochen der Gefangenschaft wundervoll zusammengelebt und-gearbeitet habe. Manche Stunde haben wir gemeinsam gehalten, denn beiden Kirchen ist das eine Ziel gemein: der Weg unseres Herrn Jesus ans Kreuz, für uns!-

Von dem Lagerpolizisten will ich aber berichten. Nach einigen Tagen kommt er mit dem Wunsch, wieder in die Kirche aufge­nommen zu werden. Wir freuen uns über seinen Entschluß. Es beginnt nun ein richtiger kirchlicher Unterricht, denn so einfach geht es nicht, daß jeder, der aus der Kirche ausgetreten ist, so einfach wieder aufgenommen wird. Die Kirche ist kein Verein, in den man aus- und eintreten kann wie man will. Die Kirche ist eine Gemeinschaft der Heiligen ", wie wir es im Glaubens­

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