gen: Jezt Brüder, eine gute Nacht, der Herr im hohen Himmel wacht..."
Nun komme ich bei dieser großen Schar nicht mehr zum Händeschütteln. Ich muß die Neuen Testamente und Bibeln zurücknehmen, die zum Lesen tagsüber ausgegeben waren und für die sich zum nächsten Tag wieder eine ganze Reihe angemeldet hat. Diese Minuten am Abend gehören zu den schönsten des Tages. Mit besonderer Freude nehme ich die Zettel alle heraus und lese die niedergeschriebenen Bibelworte. Von der einfachsten Handschrift bis zu wundervoll gemalten Buchstaben wirken die Worte wie ein schlichtes Bekenntnis.
Ein Schlesier schreibt:„ Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln." Psalm 23, 1. Und das aus solchen Tagen, in denen es an allen Ecken und Enden mangelt. Ja, auch die kleinen und großen Dinge des täglichen Lebens sehen in der Gefangenschaft im Aufblick zu Jesus Christus anders aus.-
Ein anderer schreibt:„ Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; Er wird's wohl machen." Psalm 37,5. Wer hinter Stacheldraht sitzt und von Tag zu Tag darauf wartet, auch zu denen zu gehören, die in die Freiheit gehen dürfen und für den sich noch kein Weg gezeigt hat, der weiß, was aus einem solch niedergeschriebenen Bibelwort für eine Zuversicht spricht und was solch ein Wort für Kraft gibt.
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Von einem Württemberger, der vor der Gefangenschaft alles andere, nur keine Bibel in die Hand genommen hat, lese ich: ,, Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen, lieblichen Liedern und singet dem Herrn in eurem Herzen." Kol. 3, 16. Mein Gebet für diesen Jungen ist, daß er weiter fleißig in der Bibel forsche und das Gefundene weiter so klar bezeuge.
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Bei vielen anderen Worten, die ich nun noch lesen darf, zieht reine Freude durch mein Herz, denn ich darf etwas davon ahnen, wie die alte Botschaft die jungen Herzen anspricht und wie die leeren Herzen der jungen Generation Plaz haben für die ganze frohe Botschaft:
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