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Hinter Gittern : Gedichte / von Otto Müller
Entstehung
Seite
59
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Staatsverbrecher.

Wie bin ich in die Welt gestürmt,

die mir Entfaltung bringen sollte;

wie mancher Plan lag aufgetürmt,

den mutig ich vollbringen wollte.

Ich suchte Arbeit, Liebesspiel

und dann und wann den vollen Becher. Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher.

Die Zukunft ist ein Kartenhaus,

die Pläne sind die Kartenblätter.

Die Hoffnung schmückt die Zimmer aus, man rechnet nicht mit Sturm und Wetter. Da braust herein ein tolles Spiel,

zusammen stürzen die Gemächer. Sei still mein Herz, das Urteil fiel: Seit gestern bin ich Staatsverbrecher.

Ade du Maid und Sonnenschein,

ade, du Wald, du vielgeliebter.

Mich schließen dichte Mauern ein, nachdem der Sturm mein Haus zersplittert. Der Kerker ist mein Reiseziel,

die andern ziehn zu Kampf und Becher. Sei still mein Herz, das Urteil fiel:

Seit gestern bin ich Staatsverbrecher.

Sei still mein Herz! Du töricht Herz, was holst du aus zu wilden Schlägen?